Herzlich Willkommen bei der Bahnhofsmission!

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Können wir Ihnen helfen?

100 Bahnhofsmissionen überall in Deutschland sind für Sie da.

Oft haben wir geöffnet, wenn andere Hilfseinrichtungen geschlossen sind. Bahnhofsmissionen helfen jedem, sofort, ohne Anmeldung, ohne Voraussetzungen und gratis.

Rufen Sie uns an oder kommen Sie vorbei: Adressen, Öffnungszeiten und Telefonnummern der Bahnhofsmissionen finden Sie hier.

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Wir helfen beim Reisen:

Wir geben Auskünfte und unterstützen Sie bei Verständigungsschwierigkeiten. Zum Beispiel wenn Sie gehörlos sind, schwerhörig, blind, seh- oder sprachbehindert. Oder wenn Sie schlecht deutsch sprechen.

Wenn Sie krank, verletzt oder gehbehindert sind (oder einfach nur sehr alt oder sehr jung), begleiten wir Sie beim Ein-, Aus- und Umsteigen: Wir verfügen auch über Rollstühle, Gepäckwagen und manchmal sogar Hebebühnen.

Wir begleiten allein reisende Kinder – zum Beispiel solche, die aufgrund der Scheidung ihrer Eltern häufig hin- und herreisen – von bestimmten Bahnhöfen aus. Einige Bahnhofsmissionen begleiten auch Senioren.

Sie können "Kids on Tour" und andere Mobilitätshilfen außer bei uns auch bei der Mobilitätsservicezentrale der Deutschen Bahn, Telefon unter 0 1 8 0 5 - 9 9 2 2 9 9 (0,12 Cent pro Minute) buchen.

Wenn die Fahrt nicht mehr weitergeht oder Sie eine Pause benötigen, helfen wir Ihnen mit Aufenthalts- und Übernachtungsmöglichkeiten. Einige Bahnhofsmissionen haben auch einen besonderen "Raum der Stille".

Adressen, Öffnungszeiten und Telefonnummern der Bahnhofsmissionen finden Sie hier.

Wir unterstützen Menschen in akuten Nöten:

Wir helfen Ihnen, wenn Ihre Kleidung aufgrund eines Missgeschicks, zum Beispiel einer verschütteten Kaffeetasse, eines Regengusses oder eines vorstehenden Nagels nicht mehr vorzeigbar ist. Wenn Sie telefonieren müssen. Wenn Sie keinen Schlafplatz haben. Wenn Sie hungrig oder durstig sind. Wenn Sie bestohlen wurden. Wenn Sie verletzt sind, krank oder schwach, oder wenn etwas Sie sehr bedrückt.

Adressen, Öffnungszeiten und Telefonnummern der Bahnhofsmissionen finden Sie hier.

Wir beraten und vermitteln in existenziellen Notlagen:

Wenn Sie keine Wohnung haben. Wenn Sie alkohol-, drogen- oder spielsüchtig sind. Wenn Sie selbstmordgefährdet sind. Wenn Sie verarmt sind oder verzweifelt.

Adressen, Öffnungszeiten und Telefonnummern der Bahnhofsmissionen finden Sie hier.

Möchten Sie etwas über uns wissen?

Die Bahnhofsmissionen sind mit rund 1.500 Mitarbeitenden zentrale Knotenpunkte des sozialen Netzwerks. Sie helfen jedem, sofort, gratis und ohne Anmeldung oder Voraussetzungen – häufig zu Uhrzeiten, zu denen andere Hilfe nicht erreichbar ist. Das tun sie seit inzwischen weit über hundert Jahren und an rund hundert Orten in Deutschland.

Die Bahnhofsmissionen arbeiten unbürokratisch: der Hilfesuchende kann sogar anonym bleiben, wenn er das möchte. Sie sind mit anderen Helfern bestens vernetzt. Ihr Spektrum erstreckt sich vom gereichten Pflaster und verständnisvollen Zuhören über Reisenden-Begleitung (zum Beispiel für Kinder, alte Menschen oder Leute mit Behinderung) bis hin zur Hilfe für Wohnungslose oder Selbstmordgefährdete.

Die Bahnhofsmissionen sind Einrichtungen der Evangelischen und der Katholischen Kirche. Für uns verfügt jeder Mensch in jeder Lebenssituation über gleich viel Wert und Würde. Häufig geht es beim Helfen darum, die Entfaltung der eigenen Kräfte zu unterstützen oder in Gang zu setzen.

Die Bahnhofsmissionen sind nicht Berufs-Helfern vorbehalten. Sie bieten jedem Engagierten die Chance zur Mitarbeit.

Wegen zunehmender Armut sowie rückläufiger Kirchensteuern und öffentlicher Mittel sind die Bahnhofsmissionen derzeit verstärkt auf Spenden und Zuwendungen angewiesen, um ihre Arbeit wie bisher fortsetzen zu können.

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Neues:

Ökumene ist in der Bahnhofsmission selbstverständlich
Zuflucht bieten und Mobilität fördern

Wo steht die Bahnhofsmission heute, wo geht es in Zukunft hin? Anne Kunzmann, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, sprach mit den beiden Vorsitzenden der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission, Pastor Klaus Teschner und Christian Baron.

Landeskirchenrat i. R. Pastor Klaus Teschner ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission; seit vier Jahren ist er zudem Vorsitzender des übergeordneten Gremiums, der ökumenischen Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission (KKBM). Beide Ämter übt der 71-Jährige ehrenamtlich aus. Bevor er 2004 in den Ruhestand ging, war Teschner als Landeskirchenrat in Düsseldorf tätig. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder und sechs Enkelkinder.

Christian Baron ist neuer Vorsitzender der Bundesarbeitsgemein- schaft Katholischer Bahnhofsmissionen; zuvor hatte er 14 Jahre das Amt als Stellvertreter inne. Im Februar 2010 übernimmt der 57-Jährige den Vorsitz des übergeordneten Gremiums, der KKBM, von Pastor Klaus Teschner. Baron ist hauptberuflich Geschäftsführer des Caritasverbands Braunschweig. Er ist verheiratet und hat drei Kinder und drei Enkelkinder.

Inwiefern werden sich die gesellschaft­lichen Bedingungen und damit auch die Arbeit der Bahnhofsmission verändern?

Teschner: Die gesellschaftliche Schere zwischen Arm und Reich wird sich weiter öffnen. Besonders Kinder werden künftig noch mehr unter den Folgen von Armut leiden müssen. Gleichzeitig werden aufgrund von wachsendem Wohlstand und steigender Mobilität die Erwartungen an das Reisen steigen. Bahnhöfe müssen künftig mehr Komfort und gleichzeitig immer öfter eine Zufluchtstätte bieten. Weiter müssen die Bahnhofsmissionen auch eine Aufgabe im Blick behalten, die schon in den Anfangszeiten ein wichtiger Teil unserer Arbeit war. Bahnhofsmissionen dürfen nicht aufhören, Frauen besonderen Schutz zu bieten, wenn diese von Gewalt und Ausbeutung bedroht oder betroffen sind.

Baron: Darüber hinaus wird die Bahnhofsmission immer häufiger Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Wir können sie auffangen und ihnen wei­tere Hilfen vermitteln.

Wie sehen die Antworten auf künftige Herausforderungen aus?

Baron: Wir merken, dass es gerade für ältere Menschen immer schwieriger wird zu verreisen. Sei es, weil sie selbst kränker werden, oder auch, weil Nahverkehrsver­bindungen weggefallen sind. Daher laufen an einigen Bahnhofsmissionen bereits Modellprojekte in Sachen Mobilitätshilfen.

Teschner: Wir müssen wieder mehr Kirche am Bahnhof mit praktischen Lebenshilfen sein und die Spiritualität der Mitarbeitenden stärken. Ein weiteres Augenmerk wird der Ausbau unseres Kinderbegleitservices Kids on Tour sein. Da setzen wir auf eine weiterhin gute Zusam­menarbeit mit unserem Partner Bahn.

2010 wird das Jubiläum "100 Jahre Ökumene in der Bahnhofsmission" gefeiert. Wie kann man das bis heute Erreichte benennen?

 
Baron:
Wir verbinden unser Jubiläum mit dem zweiten Ökumenischen Kirchentag. Schließlich tragen wir seit einem Jahrhundert durch unser Wirken dazu bei, dass sich die beiden Kirchen aufeinander zu bewegen. Deshalb laden wir in München zu einem großen Festgottesdienst ein und laden Weggefährten, Kooperationspartner und Förderer zum Empfang ein.

Teschner: Sagen wir es mal so: Wir leben auf Bundes­ebene wie auch auf lokaler Ebene eine selbstverständliche ökumenische Kooperation. Schon seit Jahrzehnten gibt es in den Bahnhofsmissionen keine evangelischen Kühlschränke und keinen katholischen Kaffee mehr.

Was können die großen Kirchen von der Bahnhofsmission über Ökumene lernen?

 
Teschner:
Wie praktische Arbeit nach draußen ohne viel Verschleiß nach innen geht. Die über hundert Bahnhofsmissionen sind ein Beispiel für kirchliche Präsenz an unvermuteten Stellen - Schaufenster der Kirchen an säkularen Orten.

Wofür steht heute und in Zukunft der Wortteil "Mission"? Wie sieht gelebter Glaube in den Bahnhofsmissionen aus?

 
Teschner:
Mission steht vor allem für seelsorgerliche Wachsamkeit; wahrnehmen, wenn Menschen mehr erwarten als Kaffeetrinken oder Koffertragen, und dann gesprächsbereit sein.

Herr Baron, Sie übernehmen im Februar 2010 den Vorsitz der KKBM von Pastor Teschner. Welche Herausforderungen sehen sie für Ihr neues Amt?

 
Baron:
Eine wichtige Aufgabe ist die bevorstehende Ausgründung des Angebotes Kids on Tour in eine eigene Gesellschaft. Damit stellen wir die Begleitung von Kindern auf Reisen auf eine professionelle Basis. Insgesamt werden wir die Qualitätsentwicklung der mobilen Hilfsdienste weiter vorantreiben. Und natürlich wird viel Arbeit in den ökumenischen Kirchentag und die Feier zu "100 Jahre Ökumene in der Bahnhofsmission" fließen.
Am Herzen liegt mir auch, so oft wie möglich Bahnhofsmissionen zu besuchen. Ich möchte von den Mitarbeitenden wissen, wo es Probleme und Anliegen gibt, aber auch von neuen Ideen für die Arbeit erfahren. Das werde ich dann mit in die Gremien unseres Verbandes, und auch in die Gespräche mit der Bahn nehmen.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

Tag der Bahnhofsmission 2010 ist Auftakt für Jubiläumsjahr
Hundert Jahre Ökumene an einem Tag erleben

BERLIN. Hundert Jahre gelebte Ökumene an einem Tag erfahren: Die Bahnhofsmission ist eine der ältesten Einrichtungen in Deutschland, die gemeinsam von der Evangelischen und Katholischen Kirche getragen wird. Am 17. April laden die Bahnhofsmissionen ein zu einem vielfältigen Programm kirchlicher und kultureller Veranstaltungen.

"Grenzen überwinden. 100 Jahre gelebte Ökumene in den Bahnhofsmissionen" lautet das Motto am Tag der Bahnhofsmission 2010. Jede einzelne Einrichtung kann diesen Leitgedanken mit viel Leben füllen. "Die Bahnhofsmissionen sind stolz darauf, dass sie vielerorts eine Praxis der Kooperation der Konfessionen aufgebaut haben, von der auch andere profitieren können", sagt Christian Bakemeier, Bundesgeschäftsführer der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Berlin.

Soziale, kulturelle und persönliche Grenzen überwinden

"Das Bild von den Grenzen", so Bakemeier, "verweist aber darüber hinaus auch auf die Barrieren, die zwischen Menschen in sozialer, kultureller oder persönlicher Hinsicht bestehen und die zu überwinden eine tägliche Herausforderung für die Arbeit am Bahnhof darstellt."

Der Tag der Bahnhofsmission ist die Auftaktveranstaltung für die Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr 2010. Vor hundert Jahren führte das gute Miteinander von evangelischen und katholischen Bahnhofsmissionen zur Gründung der heutigen "Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland" (KKBM), Vorreiter für ökumenische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der offenen sozialen Arbeit. [AK]

Hilfen für junge Erwachsene stark gestiegen
Bahnhofsmissionsstatistik 2008 ausgewertet

Heranwachsende junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren geraten offenbar zunehmend an den gesellschaftlichen Rand bzw. ins gesellschaftliche Abseits, ihr Anteil unter den Hilfesu­chenden der Bahnhofsmissionen ist 2008 rapide angestiegen. Im vergangenen Jahr betrug ihre Anzahl über 335.000. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von fast 70%. Zwei von fünf von ihnen waren sozial mehrfach belastet, 30% hatten finanzielle Schwierigkeiten und fast 9% wiesen akute psychische Probleme auf.

Damit deutet sich auch in der Bahn­hofsmission ein Trend an, den Experten aus Jugend- und Erzie­hungshilfe seit längerem voraussagen. "An einer erfreulicherweise weiter sinkenden Nachfrage durch Kinder und Jugendliche merken wir, wo die jugendpolitischen Akzente der vergangenen Jahre gesetzt und wo Versäumnisse begangen wur­den", erläutert Christian Bakemeier, Ge­schäftsführer der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission (KKBM). "Während besonders im Bereich der Hilfe für Kinder und Familien erheblich in den Ausbau und die Qualifikation der In­frastruktur investiert wurde, sind Einsparungen vornehmlich auf Kosten der Hilfen für mehrfach belastete junge Erwachsene realisiert worden."

Heranwachsende erhalten trotz bestehenden Bedarfs häufig keinen Zugang zu Leistungen der Jugendhilfe mehr, sondern werden auf Fördermaßnahmen der Arbeitsagenturen oder der örtli­chen Argen verwiesen. Nach Angaben des DGB waren im Sommer 2008 in Deutschland eine Mil­lion Menschen zwischen 15 und 24 Jahren auf Leistungen nach dem SGB II ("Hartz IV") angewie­sen. Das Armutsrisiko dieser Gruppe ist fast durchgängig höher, als in den anderen Altersgrup­pen. Es verwundert also nicht, dass die jungen Menschen sich nun auch vermehrt an die Bahn­hofsmissionen wenden, um Hilfen bei der Bewältigung von Krisen zu suchen oder ihre Existenz abzusichern.

Bakemeier wies auf den hohen Anteil der jungen Männer unter den Betroffenen hin. Über 50% der männlichen Heranwachsenden wiesen mehrere soziale Beeinträchtigungen auf und fast 40% hatten finanzielle Schwierigkeiten. Die Belastung der jungen Frauen lag in beiden Bereichen ca. 10% darunter.

Michael Lindner-Jung, Leiter der Bahnhofsmission in Würzburg bezeichnete die Zunahme des Hilfebedarfs bei den Heranwachsenden als alarmierend. Er forderte die Bahnhofsmissionen auf, die Probleme vor Ort offensiv zu benennen und ihre Funktion als "Drehscheibe" in die örtlichen Hilfesysteme für junge Menschen noch besser zu nutzen.

Hilfen für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten bilden traditionell einen großen Anteil unter den Hilfesuchenden der Bahnhofsmission. Während die Zahlen bei den jungen Er­wachsenen deutlich angestiegen sind, ist die Entwicklung in den anderen Altersgruppen leicht rückläufig; der Anteil an den Gesamtkontakten beträgt seit Jahren stabil 40%.

Höhere Vermittlungszahlen, wieder Anstieg der Essensausgaben

Heike Spielmann-Fischer, Leiterin der Bahnhofsmission Hagen zeigte sich erfreut, dass die Ver­mittlungstätigkeiten der Bahnhofsmission an andere Hilfeeinrichtungen stark zugenommen ha­ben: "Den Bahnhofsmissionen gelingt es offenbar immer besser, ihren Anspruch der niedrig­schwelligen Hilfe und der zügigen Weitervermittlung an spezialisierte Fachdienste zu verwirkli­chen." Die Vermittlungstätigkeit an andere Fachdienste wurde bundesweit um 70% gegenüber dem Vorjahr gesteigert und auch Vermittlungen unter den Bahnhofsmissionen nahmen mit 27% deutlich zu.

Aufgrund der Statistikumstellung nicht eindeutig zu belegen sind die Ursachen der insgesamt stark zurückgegangenen materiellen Hilfen. Diese beliefen sich nur noch auf ca. 54% des Vorjah­reswertes.

"Einerseits nehmen wir erfreut zur Kenntnis, dass die weggefallene Zählung der ausgegebenen Getränke nicht zum befürchteten Einbruch der Gesamtzahlen geführt hat", deutet Michael Lind­ner-Jung die Entwicklung, "andererseits ist anzunehmen, dass die gezählten materiellen Hilfen fast ausschließlich ausgegebene Essensrationen dokumentieren. Wir müssen feststellen, dass die zunehmende Armut in unserem Land sich auf die Gästestruktur der Bahnhofsmission aus­wirkt und immer mehr Menschen unser Angebot nutzen, um sich mit Nahrungsmitteln zu versor­gen."

Es sei deutlich spürbar, dass viele Empfänger sozialer Transferleistungen große Schwierigkeiten hätten, mit ihrem Geld einen ganzen Monat zu haushalten. Besonders zum Monatsende steige die Anzahl der ausgegebenen Essen deshalb regelmäßig an.

Psychische Erkrankungen weiter ein Problem, Kriseninterventionen haben zugenommen.

Der Anstieg der Anzahl von Gästen mit akuten psychiatrischen Erkrankungen oder in akuten psy­chischen Krisen hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt. Die Steigerungsrate gegenüber 2007 betrug fast 30%. Besonders Männer im Alter von 27-65 Jahren sind betroffen. Sie machen über 57% aller gezählten Fälle aus. Die besondere Belastung dieser Gruppe ist häufig zurückzuführen auf Mehrfachbeeinträchtigungen wie Abhängigkeitserkrankungen in Kombination mit anderen psychiatrischen Krankheitsbildern und materieller Armut.

Obwohl eine Vergleichbarkeit mit den Vorjahren nur bedingt gegeben ist, fällt die Zahl der inten­siven Beratungsgespräche und der Kriseninterventionen des Jahres 2008 auf. Im Schnitt zwölf dieser Gespräche pro Tag und Bahnhofsmission zeugen von einem gestiegenen Bedarf, aber auch von einer gewachsenen sozialpädagogischen Kompetenz der Mitarbeitenden. Hier zeigen sich u.a. die Effekte eines an diesen Bedarfslagen ausgerichteten Fortbildungsprogramms der Bahnhofsmission.

Bahnhofsmissionen bieten Aufenthalt und Schutz für Reisende

Neben der Hilfe für sozial Benachteiligte bilden die Hilfen für Reisende und im Reiseverkehr den zweiten großen Schwerpunkt der Arbeit der Bahnhofsmissionen. Über 660.000 Personen nah­men die Hilfe der Bahnhofsmission im vergangenen Jahr in Anspruch. Dabei wurden ca. 430.000 Hilfen im Reiseverkehr geleistet und mehr als 230.000 Hilfen, die in mittelbaren Zusammenhang mit der Reisetätigkeit standen.

Die von den anderen Nutzergruppen stark abweichende Alters- und Geschlechtsverteilung der Reisenden weist darauf hin, dass auch reisende Frauen die Infrastruktur der Bahnhofsmissionen gezielt nutzen. Vermutlich handelt es sich hierbei u.a. um alleinreisende Mütter mit Kindern, aber auch um Frauen mittleren und fortgeschrittenen Alters, die in der Bahnhofsmission einen siche­ren Aufenthaltsort suchen und finden.

Insgesamt nutzen reisende Männer (50,4%) und Frauen (49,6%) die Bahnhofsmissionen unge­fähr zu gleichen Teilen. Auffällig ist die große Zahl der über 65jährigen Männer, die mit fast 158.000 Personen die größte Teilgruppe der Reisenden bildete. Vermutet werden können hätte auch eine ausgeprägte Nutzung durch Frauen dieser Altersgruppe. Deren Interesse nimmt aber nach dem 65. Lebensjahr deutlich ab, während Mobilitätseinschränkungen ab diesem Alter er­heblich zunehmen.

Zu prüfen ist, ob die gemischte Gästestruktur der Missionen das Sicherheitsgefühl der reisenden älteren Frauen so beeinträchtigt, dass sie lieber fernbleiben. Hier stellen sich ggf. Anforderungen an eine zukünftige Milieu- und Angebotsgestaltung.

Überwiegend stabil sind die Zahlen im Bereich der Nutzung durch mobilitätseingeschränkte Per­sonen. Hier werden für den kommenden Auswertungszeitraum erste aussagefähige Ergebnisse zum Ausbau der mobilen Hilfeangebote erwartet. Etabliert ist schon seit Jahren der Kinderbe­gleitservice Kids on Tour, der auch im vergangenen Jahr erhebliche Zuwächse verzeichnen konnte. Die vernetzte Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG und anderen Einrichtungen im Bahnhof wird ebenfalls erstmals im kommenden Jahr dokumentierbar sein. Die Grundlage dafür bietet ein nochmals angepasster Erhebungsbogen, der sich seit dem 01.Januar 2009 in Anwendung befindet.

Fazit

Menschen, deren Leben von Armut und sozialer Benachteiligung geprägt sind, nutzen Bahnhöfe und das Bahnhofsumfeld weiter als bevorzugten Sozialraum, besonders wenn diese im Zentrum der Städte liegen. Die Steigerung der geleisteten Hilfen in fast allen Teilbereichen zeigt, dass Bahnhofsmissionen bei der sozialräumlichen Versorgung dieser Zielgruppe weiterhin dringend benötigt werden. Dieses spiegelt sich in höheren Vermittlungszahlen wieder, aber auch in einer gestiegenen Zahl der Menschen, die Bahnhofsmissionen als Aufenthaltsort nutzen.

In einer mobiler und älter werdenden Gesellschaft müssen sich die Bahnhofsmission auch zu­künftig keine Sorgen machen über eine sinkende Nachfrage ihrer zweiten großen Zielgruppe, der Reisenden. Mobilitätseinschränkungen werden zunehmen, der Bedarf an reisebezogenen Assis­tenzleistungen auch.

Insgesamt betrachtet stellt sich die Ent­wicklung der Kontakte bei einer leichten Steigerung der Zahlen stabil dar. Bei den Hilfeleistungen hat auch der umstrittene Wegfall des Statistik-Striches für die Tasse Kaffee nicht zu einem Einbruch der Zahlen geführt. Werden die Ergebnisse der Vorjahre um dieses Relikt bereinigt, ist ein deutlicher Ans­tieg der geleisteten Hilfen um mehr als 20% zu verzeichnen.

Es gelingt den Bahnhofsmissionen offenbar, sich als niedrigschwellige soziale Dienstleister mit kirchlichem Profil am Bahnhof zu behaupten. Bis jetzt stellen Sie sich erfolgreich der Aufgabe, in für die Bedürfnisse aller Hilfesuchenden gleichermaßen ansprechbar zu sein - trotz eines schwierigen, nicht gegenüber allen Zielgruppen gleichermaßen toleranten Umfeldes.

Geschichte und Struktur

In Deutschland gibt es mit derzeit knapp 100 Bahnhofsmissionen ein dichtes, historisch gewachsenes Netz, dessen Geschichte bis zur Gründung der ersten Bahnhofsmission im Jahr 1894 zurückreicht.

Die verschiedenen – selbstständigen – lokalen Bahnhofsmissionen werden personell und finanziell von Organisationen der Evangelischen und der Katholischen Kirche (z. B. Caritas, Diakonie, IN VIA und ihren regionalen und lokalen Unterorganisationen) getragen. Oft arbeiten katholische und evangelische Träger dabei vor Ort ökumenisch zusammen.

Bahnhofsmissionen haben einen oder zwei Leitende, meist sehr wenige fest angestellte und häufig viele ehrenamtliche Mitarbeiter. Dazu kommen Zivildienstleistende sowie Praktikantinnen und Praktikanten.

Aus der langen Zusammenarbeit der Bahnhofsmissionen und der gemeinsamen Idee entstanden nach und nach Strukturen, die Bahnhofsmissionen regional und konfessionell zusammenfassten und heute eine gemeinsame, koordinierte Arbeit sicherstellen.

Mehr zur Geschichte:

Die Anfänge

1894 wird die erste Bahnhofsmission in Berlin gegründet. Der gemeinsame Auftrag und das Ziel, Menschen unterwegs Schutz zu bieten, führen zum gemeinsamen Auftreten evangelischer und katholischer Bahnhofsmissionen, z. B. 1898 auf Plakaten in der Eisenbahn. Das gute Miteinander führt 1910 zur Gründung der heutigen "Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland" (KKBM), der ältesten ökumenischen Struktur auf dem Gebiet der offenen sozialen Arbeit.

Die 20er Jahre

Nach dem 1. Weltkrieg kümmert sich die Bahnhofsmission um zurückkehrende Soldaten, Flüchtlinge, amnestierte Strafgefangene sowie Auswanderer.

Professionelle, hauptamtliche Mitarbeiterinnen werden eingestellt, die Zentralen schulen die ehrenamtlichen.

Die 30er Jahre

Anfang der 30er Jahre sind es hauptsächlich allein reisende Kinder, Landhelfer und arbeitslose Jugendliche, zu deren Schutz die Bahnhofsmission tätig ist. Mit der "Machtergreifung" durch den Nationalsozialismus beginnt der systematische Prozess der Verdrängung konfessioneller Arbeit und der Gleichschaltung privater und öffentlicher Wohlfahrtspflege in die "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt". Im Jahr 1939 wird die Bahnhofsmission vom NS-Staat verboten.

Die Nachkriegsjahre

1945 führen die Nöte der Nachkriegszeit die Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission aus der Vorkriegszeit schnell wieder zu ihrem Dienst auf den oft zerstörten Bahnhöfen. Viele Menschen sind unterwegs, Familienmitglieder suchen einander, Heimkehrer aus dem Krieg, Vertriebene und Flüchtlinge nehmen die Hilfe der Bahnhofsmission in Anspruch.

Die 50er Jahre

Ab 1949 beginnt die Hilfe für Interzonen-Reisende. Unter dem unberechtigten Vorwurf der Spionage für den Westen werden die Bahnhofsmissionen von den Behörden der DDR verboten und die Mitarbeiterinnen inhaftiert.

Die 60er Jahre

Ab 1960 kommen im Rahmen der EWG-Bestimmungen (Vorläufer der EU) ausländische Arbeitnehmer in die Bundesrepublik. Für sie und ihre Familien sind die Bahnhofsmissionen erste Adressen der Hilfe, besonders zu Zeiten, zu denen die Ämter geschlossen sind.

Ab 1964 erlaubt die DDR Rentnern einen vierwöchigen Aufenthalt in der BRD. Mit den Interzonenzügen kommen ältere Menschen, die oft ohne Hilfe und Information ihr Ziel nicht erreichen könnten.

Die 70er Jahre

Einen ähnlichen Effekt hat die 1968 begonnene Werbung der Bundesbahn zur Förderung der Reisetätigkeit der älteren Generation. Viel Ältere brauchen die Hilfe der Bahnhofsmission. "Ohne Ihre Hilfe könnte ich gar nicht mehr reisen", heißt es einmal im Gästebuch einer Bahnhofsmission.
In der Rezession kommt das Thema Arbeitslosigkeit wieder auf.

Die 80er Jahre

Die Bahnhofsmission nimmt sich der Aussiedler und der Asylsuchenden mit ihren Sprach- und Orientierungsschwierigkeiten an. Die erste Hilfe für wohnungslose Menschen am sozialen Brennpunkt Bahnhof stellt hohe Anforderungen.

Nach dem Fall der Mauer nehmen in den neuen Bundesländern sieben Bahnhofsmissionen spontan wieder ihren Dienst auf: in Görlitz, Dessau, Halle, Magdeburg, Chemnitz, Berlin und Leipzig. Weihnachten 1989 feiern die beiden Berliner Bahnhofsmissionen (Bahnhof Zoo und Ostbahnhof) zum ersten Mal wieder zusammen.

Auch der internationale Dialog beginnt in den 80er Jahren: 1980 wird der erste Kontakt zu den Bahnhofsmissionen und -hilfen in der Schweiz und in Frankreich aufgenommen. 1986 findet auf Einladung der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland die erste "Arbeitskonferenz für Nationalvertreter europäischer Bahnhofsdienste" in Neustadt / Weinstraße statt. Es folgen Konferenzen 1988 in Wien, 1990 in Dijon, 1992 in Barcelona und 1994 in Berlin.

Die 90er Jahre bis heute

Der Bahnhof wird immer mehr technisiert, Automaten ersetzen Menschen, Personal wird abgebaut, während die Bahnhofsmission dafür sorgt, dass die Menschlichkeit zum Zug kommt.

Auch als Schutzraum wird die Bahnhofsmission wieder zunehmend in Anspruch genommen. Die soziale Kompetenz der Bahnhofsmission wird intern wie extern zunehmend erkannt. Dabei ist sie eingebunden in ein immer lückenloseres Netzwerk psycho-sozialer Einrichtungen am Ort, mit denen sie zusammenarbeitet.

Die Geschichte der Bahnhofsmission in über 100 Jahren ist ein Zeugnis ihrer Lebendigkeit. Sie hat unzählige Menschen dazu inspiriert, anderen Menschen unbürokratisch und auch außerhalb der üblichen Bürostunden zur Verfügung zu stehen. Sie hat auf vielerlei Weise Leben bestärkt und gerettet. Dabei weiß sie sich als "Kirche am Bahnhof" getragen vom Evangelium als der froh machenden Botschaft für alle Menschen.

Die durchgängigen Kennzeichen der Bahnhofsmission bleiben die uneingeschränkte, gleiche Würdigung aller Menschen, Hilfe und Begleitung in Notsituationen, das ehrenamtliche Engagement vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie das ökumenische Miteinander.

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Sie möchten bei uns mitarbeiten

Bei der Bahnhofsmission helfen Menschen anderen Menschen. Deshalb brauchen wir immer wieder ehrenamtlich Mitarbeitende, die (manchmal auch außerhalb der üblichen Bürostunden) ihre Zeit anderen, hilfsbedürftigen Menschen schenken wollen.

Das ist nicht immer einfach – es gibt kaum eine Tätigkeit, bei der man mehr über sich selbst, über andere und über das Leben lernen kann. Die Bahnhofsmission bereitet Sie mit Weiterbildungsmaßnahmen auf ihre Arbeit vor.

Wenn das für Sie nach der Aufgabe klingt, die Sie gesucht haben, klicken Sie sich bitte hier weiter zu Ihrer Bahnhofsmission.

Sie möchten uns mit einer Spende unterstützen

Unsere Gesellschaft wird ärmer und kälter. Deshalb bekommen wir immer mehr Arbeit. Doch leider nehmen unsere finanziellen Möglichkeiten gleichzeitig ab. Unsere Träger, die Evangelische und Katholische Kirche, bekommen immer weniger Kirchensteuern. Immer weniger öffentliche Mittel stehen zu unserer Unterstützung zur Verfügung. Wir möchten alle Bahnhofsmissionen erhalten, auch in kleineren Orten, in denen es sonst wenig Hilfe gäbe.

Dazu bitten wir Sie um Unterstützung mit Ihrer Spende:
Spendenkonto 21210 bei der KD-Bank,
Bankleitzahl 350 601 90

Links zu anderen Helfern

Caritas (Deutscher Caritas Verband e.V.)
Diakonie (Diakonisches Werk der EKD)
IN VIA (IN VIA Katholischer Verband für Mädchen-und Frauensozialarbeit Deutschland e.V.)
EKD (Evangelische Kirche in Deutschland)
Katholische Kirche (Katholische Kirche in Deutschland)
Telefonseelsorge (Seelsorge- und Beratungsangebot am Telefon, per E-Mail und Chat)
Deutsche Bahn (Deutsche Bahn AG)
Bahnhöfe (die größten deutschen Bahnhöfe)
Mobilitäts-Servicezentrale (ein Service der Deutschen Bahn)

Impressum

Dies ist der Internetauftritt der Konferenz für kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland

Anschriften der Bundesgeschäftsstellen:
 
Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland
Kath. Bundesgeschäftsstelle
Reinhardtstraße 13
10117 Berlin
 
Telefon: 0 30 - 28 44 47 - 8 56
Fax: 0 30 - 28 44 47 - 8 33
E-Mail: bundesgeschaeftsstelle@bahnhofsmission.de 
 
Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland
Ev. Bundesgeschäftsstelle
Reichensteiner Weg 24
14195 Berlin
 
Telefon: 0 30 - 83 00 1 - 3 68
Fax: 0 30 - 83 00 1 - 83 68
E-Mail: bundesgeschaeftsstelle@bahnhofsmission.de

Geschäftsführung: Dr. Gisela Sauter-Ackermann, Christian Bakemeier

Einzelne Bahnhofsmissionen erreichen Sie hier.

Verantwortlich für den Inhalt im Sinne des § 6 TDG: Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland (KKBM), bestehend aus der Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Bahnhofsmissionen in Deutschland, Vorsitz: (kommissarisch): Herr Christian Baron, und dem Verband der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission e.V., Vorsitz: Landeskirchenrat Klaus Teschner
Bundesarbeitsgemeinschaft und Verband teilen sich den Vorsitz in der KKBM im Wechsel.

Registergericht des Rechtsträgers IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Deutschland e.V.: Amtsgericht Freiburg, Registernummer: VR 548 Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß § 27 a Umsatzsteuergesetz: DE 06470/41175

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Konzeption und Gestaltung: bfg www.bfg-design.de - www.mindenbfg.de
Programmierung: Lutz Saure www.nolink.de

Link zur grafischen Ausgabe der Bahnhofsmission im Internet