15. JANUAR 2010

Kälte rückt Bahnhofsmissionen ins Scheinwerferlicht

Medien berichten ausgiebig über die besonderen Herausforderungen

Er ist laut Deutschem Wetterdienst einer der kältesten Winter der vergangenen hundert Jahre. Entsprechend große Aufmerksamkeit widmen die Medien allen Ereignissen, die mit dem eisigen Wetter in Deutschland in Zusammenhang gebracht werden können. Im Blickpunkt stehen dabei häufig die Bahnhofsmissionen. Kein Tag vergeht, ohne Berichterstattung über die Arbeit einer oder mehrerer Einrichtungen.

Das Göttinger Tageblatt begleitete die beiden Ehrenamtlichen Ingeborg Piper und Sabine Schweer. Ausführlich berichtet die Zeitung darüber, dass bei den frostigen Temperaturen die Menschen auf dem zugigen Bahnsteig einen warmen Ort finden können. Viele Reisende sind dankbar und kommen regelmäßig wieder. Genau wie die 20 bis 30 Personen am Tag, die neben einem heißen Kaffee ein wenig soziale Wärme suchen.

 

Die Kälte bringt in den Räumen der Bahnhofsmissionen die unterschiedlichsten Menschen zusammen beispielsweise frierende Reisende und Wohnungslose. „Viele kommen deshalb nicht von allein, haben Berührungsängste“, sagte Heike Spielmann-Fischer, Leiterin der Bahnhofsmission Hagen, dem Internet-Portal Der Westen. Aber einer Einladung zu einem heißen Kaffee folgen die meisten dann doch gerne.


Zunehmende Armut wird deutlich

Der Westen hat sich auch in anderen Bahnhofsmissionen umgeschaut. „Überall gibt es viel zu tun“ lautet das Fazit. Viele Bedürftige würden hier Hilfe finden. In Frankfurt sagt Leiterin Esther Stüve: „Wenn wir um sieben Uhr die ersten Heißgetränke anbieten, hat sich bereits eine lange Warteschlange vor der Tür gebildet.“ Über 300 Menschen kämen bei der Kälte dort täglich vorbei, um mit warmer Kleidung oder Schlafsäcken versorgt zu werden. Viele von ihnen würden die Nacht trotz Kälte im Freien verbringen.

 

In Halle kommen viele Wohnungslose, wenn morgens um zehn Uhr die Notquartiere schließen, zum Aufwärmen in die Bahnhofsmission. Der verstärkte Zulauf sei allerdings nicht nur auf die Kälte, sondern vielmehr auf die zunehmende Armut zurückzuführen, sagte Leiterin Heike Müller der Mitteldeutschen Zeitung. Sie bat die Bürger Mützen, Schals und Handschuhen, die dringend gebracht würden, zu spenden. Die Zeitung berichtete, dass alle fünf Bahnhofsmissionen in Sachsen-Anhalts angesichts des anhaltenden Winterwetters einen großen Andrang erlebten. Wegen der Kälte seien mancherorts Öffnungszeiten erweitert worden. Als erschwerend für die Reisenden nannten alle Einrichtungen die zum Teil erheblichen Zugverspätungen.

 

Enorme Resonanz in den Medien erhielt die Berliner Bahnhofsmission am Zoologischen Garten. Dort werden hauptsächlich bedürftige und wohnungslose Menschen versorgt, so dass die Kälte dort für eine besondere Herausforderung sorgte. Einem Spendenaufruf von Berliner Morgenpost und 104,6 RTL folgten so viele Bürger, dass in nur zwei Tagen hunderte von Kartons und Säcken mit Winterkleidung und Schlafsäcken zusammenkamen. [AK]


 
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