30. JULI 2010

Bahnhofsmission lag ihm am Herzen

Ehemaliger Vorsitzender Professor Theodor Schober verstorben

BERLIN. „Die Bahnhofsmission war Professor Theodor Schober eine Herzensangelegenheit. Mit der Arbeit nahe am Menschen hat er sich immer identifiziert“, erinnert sich sein Weggefährte Pfarrer Peter Moll. Jetzt ist Schober, der von 1979 bis 1999 Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission war, im Alter von 91 Jahren verstorben.


Schober hat der Bahnhofsmission in vielen Bereichen den Weg in die Zukunft bereitet. Ein Meilenstein während seiner Amtszeit war 1989 die Wiedervereinigung. Schober habe immer intensive Kontakte in die DDR gepflegt, besonders zur einzigen damals noch aktiven Bahnhofsmission am Berliner Ostbahnhof, erzählt Moll, der zu jener Zeit Geschäftsführer der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission war.

 
Nach dem Mauerfall habe sich Schober sehr dafür eingesetzt, dass in Ostdeutschland neue Bahnhofsmissionen gegründet werden konnten.  Mit der damaligen Dt. Reichsbahn wurde ein Vertrag für die Bahnhofsmissionen ausgehandelt, der so überzeugend war, dass er später auch für Westdeutschland übernommen worden sei, sagt Moll. Der 67-Jährige erinnert sich noch gut daran, dass Schober zwei Wochen vor dem Mauerfall bei einem Besuch in Ostberlin spontan in einer Demonstration für Freiheit und Demokratie mitmarschierte. „Obwohl einige der anderen Delegationsteilnehmer  eher ängstlich den Ausflug angetreten hatten.“


Integration gelebt
Auch andere Bereiche prägte Schober durch seine Integrationskraft. Er setzte sich immer für die Ökumene in der Bahnhofsmissionsarbeit ein. Viele Einrichtungen werden auf der evangelischen Seite von der Diakonie und auf der katholischen von Caritas und IN VIA getragen. 1985 wurde das 75-jährige Bestehen der Bahnhofsmission mit einem großen gemeinsamen Festakt gefeiert. Schober engagierte sich auch immer für die Förderung der vielen ehrenamtlichen Helfer in den Bahnhofsmissionen. Er sorgte dafür, dass genügend finanzielle Mittel bereitgestellt wurden, um ihnen eine angemessene Fortbildung anbieten zu können.


Während seiner Amtszeit als ehrenamtlicher Vorsitzender gelang es Schober, einen hohen Vertreter der damaligen Bundesbahn als Mitglied für den Vorstand der Bahnhofsmission zu gewinnen und so die Zusammenarbeit zu vertiefen. Genauso sorgte er dafür, dass durch die Mitgliedschaft im Vorstand die Landeskirchen des Diakonischen Werkes intensiver in die Arbeit der Bahnhofsmission einbezogen wurden.


Schober, der aus Franken stammte, war während seiner erfolgreichen Laufbahn unter anderem 21 Jahre Präsident des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche in Deutschland. Während seiner Amtszeit entwickelte sich das Diakonische Werk zu einem der größten Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland mit damals 270.000 Mitarbeitenden. Zuvor leitete er als Rektor das Diakonissenmutterhaus in Neuendettelsau.


„In seinem Herzen ist Theodor Schober immer auch der Pfarrer und der gute Hirte geblieben“, sagt Moll, der Schober bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden war. Als dieser von der baden-württembergischen Landesregierung 1980 den Professorentitel verliehen bekam, sei es auf dem Schild an seinem Büro vor lauter Titeln ein wenig eng geworden. „Als der Hausmeister und ich vorschlugen, doch das Wort Pfarrer zu streichen, wollte Schober davon gar nichts hören.“


 
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