7. AUGUST 2012

Bahnhofsmission Bonn ist Ort der Ruhe, Anlaufstelle, Rettungsanker und Treffpunkt

BONN. Das kleine Gebäude ganz am Anfang von Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs ist  Ort der Ruhe, Anlaufstelle, Rettungsanker, Treffpunkt. Hier ist die Bahnhofsmission zu Hause, und die ist zu ihren Öffnungszeiten von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends stetig frequentiert. Vor fünf Jahren wurde die gemeinsame Einrichtung von Diakonischem Werk und Caritasverband wieder eröffnet. Dabei ist sie – genau wie in all den Jahren seit Gründung 1945 – nicht mehr wegzudenken von Gleis 1.

Die Bahnhofsmission ist ein Stück Kirche am Bahnhof, die Mitmenschlichkeit, Zeit für andere und praktische Hilfe bietet an diesem Ort voller Trubel und Hektik und manchmal auch Rücksichtslosigkeit. Grit de Boer, evangelische Pfarrerin und Leiterin der Bahnhofsmission, und die etwa 40 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wissen, dass sie gebraucht werden. Und zwar nicht nur, um Reisenden beim Aus- und Einsteigen zu helfen. „Das ist natürlich gerade für Ältere und Behinderte enorm wichtig“, so de Boer. „Aber wir sind genauso Anlaufstelle für Menschen, deren Leben aus dem Gleis gesprungen ist.“

Obdachlose, Menschen ohne Arbeit, Menschen mit psychischen oder Drogen-Problemen, sie alle kommen gern zu denjenigen, die ein offenes Ohr für sie haben. Viele sind Stammgäste, und allein regelmäßig vorbeizukommen und einen Kaffee zu trinken tut ihnen gut. So strukturieren sie ihren Tag, der ansonsten ziemlich leer ist.

Die Bahnhofsmission, die es an rund 100 Bahnhöfen in Deutschland gibt, ist eine Institution, eine Einrichtung mit Strahlkraft. Viele Menschen sind den Helfern auf ihren Reisen schon begegnet, die man an den blauen Westen plus Signet mit dem roten Kreuz erkennt. Sie sind Helfer, die handeln, und Ansprechpartner für Fragen, Sorgen und Nöte. Bei einer Tasse Kaffee haben sie für alle ein offenes Ohr. „Wir nehmen jeden so, wie er ist, und begegnen jedem mit Respekt“, beschreibt Grit de Boer die besondere Atmosphäre.

Ohne freiwillig Engagierte wäre eine solche Arbeit nicht zu machen, und die Bahnhofsmission Bonn ist froh, so viele von ihnen zu haben. Es ist eine Mischung aus Jung und Alt und mit unterschiedlichen Motiven: Junge Leute machen hier ein Praktikum oder möchten sich neben dem Studium sozial engagieren, soziales Engagement ist auch Motivation für Berufstätige, ältere Menschen wollen ihre Zeit als Rentner sinnvoll nutzen. Mindestens zwei der Helfer machen gemeinsam Dienst, und alle zusammen stellen die zwölfstündige Öffnungszeit sicher, die es an anderen Standorten in diesem Umfang nicht gibt. Und es sind nicht nur diese Menschen, die für andere da sind, es gibt auch viele Spender, die die Arbeit unterstützen. Selbst die Lokalzeitung, die von den Besuchern und Stammgästen gern gelesen wird, ist eine Spende. Die Bahnhofsmission ist auf beides, tatkräftige Hilfe und Spenden, angewiesen und dankbar dafür.

Die ‚ökumenische‘ Zusammenarbeit des Diakonischen Werkes und des Caritasverbandes funktioniert hier wie an vielen anderen Stellen bestens. Leiterin Grit de Boer ist seit 2009 hauptamtlich mit einer Teilzeitstelle tätig, davor war es Irina Gaul vom Caritasverband. Sie hatte 2007 einige Monate bei geschlossenem Betrieb die Räume neu gestaltet, Strukturen eingezogen und neue Mitarbeiter rekrutiert und ausgebildet. So wurde im August 2007 mit einem bestens ausgebildeten und motivierten Team die Arbeit wieder aufgenommen. Auch mit Unterstützung der Deutschen Bahn – sie stellt das kleine Häuschen am Anfang von Gleis 1 kostenlos zur Verfügung – haben Diakonie und Caritas dafür gesorgt, dass es professionell weitergehen kann. Die Menschen, die hierher kommen, wissen das sehr zu schätzen. Ein neues Projekt neben der regelmäßigen Arbeit gibt es auch schon: Nach dem Sommer soll ein Chorprojekt beginnen für Menschen, deren Stimmen sonst nicht gehört werden. [Andrea Hillebrand, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Diakonisches Werk Bonn]



 
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