17. DEZEMBER 2012

Einzigartiges Angebot bedeutet große Herausforderung für Mitarbeitende

BERLIN. Es ist ein täglicher Balanceakt am Bahnhof, den die Leiterinnen und Leiter der Bahnhofsmissionen vollbringen. Dabei müssen sie  mit den unterschiedlichsten Ansprüchen jonglieren – von den komplexen Problemen der Gäste über die Anleitung der Ehrenamtlichen bis zur Sicherung der Finanzierung. Jetzt können sich die Leitenden in einer zweijährigen Sozialmanagement-Fortbildung dazu umfangreich qualifizieren.


Die Arbeit der 100 Bahnhofsmissionen in Deutschland ist einzigartig, denn sie ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Menschen im und am Bahnhof. Das macht die Arbeit so spannend, aber auch so schwierig. Die Probleme von Reisenden müssen gelöst sowie psychisch kranke oder wohnungslose Menschen betreut werden, Ehrenamtliche eingearbeitet und Nachtschichten besetzt werden, Spendenaktionen und Öffentlichkeitsarbeit organisiert werden. Die Gäste und Mitarbeitenden sind alt und jung, Frauen und Männer aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Kulturkreisen – ein Paradebeispiel für Diversity.


Bundesweites Projekt startet Anfang Dezember
„Die Leitenden tragen eine hohe Verantwortung. In der Mehrzahl der Fälle blicken sie zwar auf langjährige Berufserfahrung zurück, weniger aber auf eine entsprechende Ausbildung“, erklärt Dr. Margarethe Wegenast, Projektverantwortliche bei der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission (KKBM). Mit der Weiterbildung "Weichen stellen – Leiten in Bahnhofsmis-sionen als nachhaltige Zukunftsaufgabe" solle dieser Bedarf nun gedeckt werden, so die 53-Jährige. Das bundesweite Projekt wird möglich dank der Förderung im Rahmen des Programms „rückenwind – für die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds.

In den kommenden zwei Jahren wird etwa die Hälfte der Leitungskräfte zu Kernthemen des Sozialmanagements geschult. Auf dem Programm stehen Themen wie moderne Führung, Teamentwicklung, Krisen-, Projekt- und Qualitätsmanagement, Fundraising, Gender Mainstreaming und Diversity Management. Ein Pool von Referenten vermittelt den Teilnehmenden Konzepte und Instrumente, die zu einer deutlichen Entlastung im Arbeitsalltag des gesamten Teams führen sollen. „Darüber hinaus legen wir großen Wert auf eine kontinuierliche Begleitung und Supervision“, betont Wegenast den gruppendynamischen Prozess der Fortbildung.

Die Qualifikation "Weichen stellen" als Ergänzung zu den regelmäßigen Einzelfortbildungen durch die (KKBM) gibt den leitenden Mitarbeitenden der Bahnhofsmissionen das Rüstzeug an die Hand, um die Einrichtungen zukunftsfähig zu machen: beim Kampf um gesellschaftliche Anerkennung ihrer Professionalität, um gesicherte Finanzierung, um angemessene Ausstattung und um Perspektiven in der zunehmenden Konkurrenz mit anderen sozialen Dienstleistern.

Im Dezember sind die ersten Workshops in Berlin, Paderborn und Würzburg gestartet.


 
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