29. JANUAR 2013

Ausflug in eine andere Welt

MÜNCHEN. Statt Grammatikpauken mit Englischschülern, Teekochen für Obdachlose. Statt Meeting im warmen Büro, Dienst am zugigen Bahngleis: Helen Gibson und Jamie Ferguson vom Wall Street Institute (WSI), einer weltweit tätigen Sprachschule für Erwachsene, haben für ein  paar Stunden ihren gewohnten Berufsalltag verlassen, um sich in der Münchner Bahnhofsmission nützlich zu machen.

Nach einer klirrend kalten Januarnacht ist jede Menge los hier. Tee zum Aufwärmen ist besonders gefragt, aber auch die Margarinebrote gehen gut weg. Für die junge Amerikanerin und ihren schottischen Kollegen tut sich eine völlig andere Welt auf: "Wir sind erstaunt, dass in München soviele Menschen nicht wissen, was sie essen oder wo sie schlafen sollen", so ihr Resumee, "die Armut ist sonst gut versteckt."

Die Service-Managerin und der Sprachlehrer haben viel zu tun an diesem betriebsamen Vormittag: Sie helfen Älteren beim Umsteigen am Zug, bereiten Brote zu und sind bei Beratungsgesprächen dabei. Das breite Hilfeangebot der kirchlich getragenen Bahnhofsmissionen hat die beiden genauso überrascht wie die große Zahl der Zuflucht- und Ratsuchenden: "Das ist alles komplett neu für uns und eine wirklich gute Sache."

Eine Woche lang stellte der Englischkursanbieter bundesweit 130 Angestellte frei, um sich im Rahmen der "Charity Week" in sozialen Einrichtungen in Deutschland zu engagieren. Fünf Teams halfen alleine in der Münchner Bahnhofsmission. Ihr Ziel: Das Jahr mit einer guten Tat zu beginnen. [Annette Bieber]


 
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