14. MÄRZ 2013

1897 gründet Frauenrechtlerin Ellen Ammann die erste katholische Bahnhofsmission

Das Museum der Bayerischen Geschichte sucht Erinnerungsstücke aus der bayerischen Frauenbewegung, zu deren Pionierinnen Ellen Ammann gehört. Die gebürtige Schwedin kam als 20-Jährige nach München und wollte als Frau des Orthopäden Dr. Ammann und  sechsfache Mutter ihre Augen nicht vor der Not verschließen. Zu einer Zeit, in der Frauen weder Wahlrecht besaßen noch selbstständig Beruf oder Partner wählen durften, sah Ellen Ammann vor allem die Mädchenbildung als Schlüssel zur Hilfe. Mädchen und Frauen, die als Dienstmägde, Heimarbeiterinnen und ungelernte Arbeitskräfte schwere Arbeit verrichteten und die oftmals durch ungewollte Schwangerschaften in eine soziale Schieflage gerieten, waren die Zielgruppe der gebürtigen Schwedin Ellen Ammann.

In der Praxis ihres Mannes sah sie bei den „Mörtelweibern“ die körperlichen Folgen der schweren Handarbeit. Aber auch den Zuzug vieler junger Mädchen vom Land in die Stadt und die damit verbundene Entwurzelung hatte sie hautnah vor Augen. Prostitution und Mädchenhandel vor allem an den großen Bahnhöfen blühten. Zusammen mit Pater Rupert Mayer führte sie zunächst am Münchner Hauptbahnhof Sonntagsgottesdienste ein. Aus diesen Aktionen ging schließlich die von Ammann 1897 gegründete katholische Bahnhofsmission – die erste ihrer Art in Deutschland – hervor.

1904 gründete sie den Münchner Zweig des Katholischen Frauenbundes und gilt dadurch zu Recht als Pionierin der katholischen Frauenarbeit. In Regensburg wurde unter Anwesenheit Ellen Ammanns am 28. November 1910 der erste Stadtverband der Diözese ins Leben gerufen. Die tatkräftige Frau zog nach den schwierigen Zeiten des Ersten Weltkriegs, in denen sie mit Luise Kiesselbach die Kriegsnot kinderreicher Familien bekämpfte, mit sieben anderen Frauen als erste weibliche Abgeordnete in den Bayerischen Landtag ein, in dem sie bis zu ihrem Tod 1932 entschlossen für Frauenthemen eintrat.

Bildung, soziales Engagement, aber auch Geselligkeit waren wichtige Anliegen, mit denen Ellen Ammann die Lage der Frauen verbessern wollte. Insbesondere in den ländlichen Gebieten waren die Aktivitäten der Landfrauenvereinigungen ein wahrer Segen: Neben konkreten Hilfeleistungen für mittellose und kranke Menschen oder kinderreiche Familien kam auch die Geselligkeit in Form von Ausflügen nicht zu kurz. Für viele Frauen gehörten diese Angebote zu den wenigen Gelegenheiten, dem schweren Arbeitsalltag wenigstens für kurze Zeit zu entfliehen.

Man bescheinigte Amman aber auch „mehr Mut als manche Herrn in Männerhosen“ oder bezeichnete sie als „einzigen Mann im Landtag“. Dies hängt vor allem mit ihrem mutigen Auftreten beim Hitlerputsch am 9. November 1923 zusammen. Sie informierte als erste die bayerische Staatsregierung, organisierte den Widerstand und besorgte das Auto, das die bayerischen Politiker aus der Münchner Gefahrenzone in das sichere Regensburg brachte. Dass Hitler diesmal noch erfolglos blieb, verdankt Bayern wesentlich Ellen Ammann.  [Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst]

Wenn Sie selbst noch Objekte im Zusammenhang mit den vielfältigen Aktivitäten der bayerischen Frauenbewegung haben wie Fotos, Plakate, Vereinsbücher und vieles mehr, dann nehmen Sie bitte Kontakt auf: Haus der Bayerischen Geschichte, Stichwort Museum, Zeuggasse 7,
86150 Augsburg, Tel. 0821 3295 115, Fax. 0821 3295 220,

E-Mail: museum@hdbg.bayern.de
www.hdbg.eu/museum


 
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