16. NOVEMBER 2013

Ein Leben im rechtsfreien Raum

Katholischer Frauenverband IN VIA fordert humanitäre Rechte für Frauen ohne Aufenthaltspapiere

 

FREIBURG. Zwischen 500.000 und einer Million Menschen leben nach Schätzungen in Deutschland ohne  Aufenthaltspapiere. Darunter sind viele Frauen, teils auch mit Kindern, deren Alltag geprägt ist von Angst vor Entdeckung und von Schutzlosigkeit. Bei seiner Jahrestagung in Fulda beschäftigte sich der katholische Frauenverband IN VIA heute mit der Lebenssituation von Frauen ohne Aufenthaltspapiere und forderte gesetzliche Neuregelungen.

Die Sozialwissenschaftlerin Emilija Mitrović aus Hamburg referierte über die Situation von Frauen ohne Aufenthaltspapiere, die irregulär in Deutschland leben. Viele kommen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in ihren Herkunftsländern, um Geld für ihre Familien zu verdienen. Teils arbeiten sie als Haushaltshilfe, teils werden sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Deutschland angeworben und landen in Zwangsarbeitsverhältnissen, manche von ihnen auch in Prostitution. Aus der Beratung weiß IN VIA um die Nöte und die existenzielle Bedrohung der Frauen. Einige Frauen berichten, dass sie sich nicht im öffentlichen Raum aufhalten aus Angst, kontrolliert und ausgewiesen zu werden.

Ohne Aufenthaltspapiere haben sie kein Recht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, kein Recht auf Arbeit und kein Recht auf medizinische Versorgung. „Die Zahlung von Arbeitslohn ist für sie kaum einklagbar, weil der Arbeitgeber mit einer Anzeige drohen kann. Damit diese Frauen dem Arbeitgeber nicht schutzlos ausgeliefert sind, muss es dringend Beratungs- und Hilfsangebote für Frauen ohne Papiere geben“, erläutert Irme Stetter-Karp, Vorsitzende von IN VIA Deutschland.

Insbesondere schwangere Frauen und Frauen mit Kindern geraten in Notlagen, weil Krankenhäuser wie auch andere Institutionen eine Meldepflicht haben. Aus Angst vor Ausweisung nehmen die Frauen keine medizinische Hilfe für sich und ihre Kinder in Anspruch. „Jeder Mensch hat das Recht auf Hilfe und medizinische Versorgung, deshalb muss die Meldepflicht für Institutionen des Gesundheitswesens abgeschafft werden, wie es bereits für Schulen umgesetzt ist“, fordert Stetter-Karp.

Nach Einschätzung von IN VIA wird sich die Situation weiter zuspitzen, wenn es immer mehr ältere Frauen ohne Aufenthaltspapiere gibt, die seit vielen Jahren in Deutschland leben und massiv von Armut betroffen und krank sind.

IN VIA fordert eine Aufenthaltsgenehmigung für diese Menschen, wenn sie nachweisen können, dass sie mindestens drei Jahre hier leben und selbst für ihr Einkommen sorgen.
[Elise Bohlen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Deutschland e.V.]


 
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