BAHNHOFSMISSION ELMSHORN

Gelebte Inklusion

Leiterin Wiebke Turkat wollte schon lange Mitarbeitende mit Behinderung gewinnen und Inklusion ganz konkret in die Tat umsetzen. Durch einen neuen Raum im Erdgeschoss ist die Elmshorner Bahnhofsmission nun barrierefrei erreichbar. Die Rollstuhlfahrerinnen Erika Clasing und Claudia Sahlmann, die  sich seit langem für ein Ehrenamt an den Gleisen interessierten, können jetzt endlich die blauen Westen anziehen.

Spenden ermöglichen Rollstuhlfahrerinnen Teilnahme an Fortbildung

"Wir waren schon zuvor ein gemischtes Team mit sehr unterschiedlichen Ehrenamtlichen“, sagt Turkat. Die Einrichtung des Diakonischen Werks Rantzau-Münsterdorf arbeitet ökumenisch und hat Mitarbeitende nicht nur mit unterschiedlicher Glaubens- und Kulturhintergründen, sondern auch aus verschiedenen sozialen Schichten. Claudia Sahlmann und Erika Clasing passen daher sehr gut in das Konzept der Bahnhofsmission, Freiwillige zu beschäftigen, die nicht den klassischen Ehrenamtstyp verkörpern.

 

Dank Clasing und Sahlmann wird das Team jetzt noch bunter. Möglich wird die gelungene Inklusion auch mithilfe von Spendengeldern. Damit wird beispielsweise ein Taxi bezahlt, um den beiden die Teilnahme an Veranstaltungen wie Fortbildungen zu ermöglichen, denn ein elektrischer Rollstuhl passt nicht in ein normales Auto und nicht jeder Veranstaltungsort ist per Zug erreichbar. Zudem fließt das Geld in die Öffentlichkeitsarbeit, um das Inklusions-Projekt bekannt zu machen. So können weitere Ehrenamtliche mit Behinderung gefunden oder finanzielle Unterstützung eingeworben werden. Freuen würde die Bahnhofsmission Elmshorn sich auch, wenn das vorbildliche Projekt auf diesem Wege Nachahmer finden würde.

Kontakt zu unterschiedlichen Menschen
Erika Clasing erfährt direkt an ihrem ersten Arbeitstag, was das Ehrenamt bei der Bahnhofsmission ausmacht. Kaum angekommen und einen ersten Einblick in den Dienstplan genommen, kommt schon Siggi herein. Ein Stammgast, der nach 39 Jahren Leben auf der Straße noch mit den Strukturen eines festen Wohnsitzes fremdelt. Er will nur schnell erzählen, was sich in seiner Wohnung tut. Braucht ein offenes Ohr und eine Tasse Kaffee.

Einige Zeit später schaut die neue Ehrenamtliche wieder in die Ordner mit der Statistik. Hier wird genau Buch darüber geführt, welche Menschen die Helfer mit welchen Problemen aufsuchen. Und da Erika Clasing im Rollstuhl manche Tätigkeiten wie die Einsteigehilfen nicht ausüben kann, wird sie sich vornehmlich mit der Verwaltung und den Gesprächen beschäftigen. „Darauf habe ich mich die ganze Zeit schon gefreut. Vor allem der Kontakt mit unterschiedlichen Menschen liegt mir“, sagt die 66-Jährige, die als Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Multipler Sklerose schon viel Kommunikationserfahrung hat.

Andere Stärken, andere Aufgaben
Seit Erika Clasing und Claudia Sahlmann fest zum Team gehören, gibt es eine veränderte Aufgabenteilung. „Die beiden können mit Rollstuhl nicht alle Aufgaben verrichten und auch unsere anderen Ehrenamtlichen haben ihre Gaben und Schwächen“, erläutert Turkat. So gibt es Ehrenamtliche, die den komplizierten Hublift auf dem Bahnsteig zum Transport von beinträchtigten Menschen toll bedienen können – aber dafür den rauen Ton mancher Hilfesuchender nicht vertragen. Andere sind sehr kommunikativ, kämpfen dafür mit dem notwendigen Papierkram. Wieder andere haben eigene Probleme und sind nicht immer voll einsatzbereit.

So müssen die Freiwilligen sehr genau verteilt und eingesetzt werden. Mit der Körperbehinderung der neuen Helferinnen kommt eine Herausforderung hinzu – die beginnt zum Beispiel beim Betriebsausflug. Wie kann die Anreise der beiden Frauen organisiert werden? Ist das Reiseziel komplett rollstuhlgerecht? Dasselbe gilt für das erste Seminar Claudia Sahlmanns Ende Februar.

Und auch scheinbare Kleinigkeiten können schnell groß werden: Die offene Eingangstür mit der Rampe etwa. Sobald es zu kalt ist, wurde diese immer geschlossen gehalten. Damit ist aber der Fluchtweg für die beiden Rollstuhlfahrerinnen versperrt, denn die Rampe müsste erst wieder aufgestellt werden. „So haben wir nun immer drei Personen in der Schicht, damit zwei im Notfall den Fluchtweg für Claudia und Erika sichern“, verrät Turkat die Lösung. [Natalie Lux, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf]

Ihr Weg zur Bahnhofsmission Elmshorn

Wer Hilfe am Elmshorner Bahnhof benötigt oder die Bahnhofsmission durch ehrenamtliches Engagement oder Spenden unterstützen möchte, wendet sich bitte an:

Bahnhofsmission Elmshorn
Tel.: 04121 236131
E-Mail: bahnhofsmission-elmshorn@die-diakonie.org


 
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