BAHNHOFSMISSION BERLIN ZOO

Ein Bett in der Not

Elisabeth M. ist allein mit der Bahn von Stuttgart nach Berlin gefahren. Sie will von zuhause weg und Berlin hat sie von ihrem letzten Besuch – im Jahr 1948 – in guter Erinnerung. Jetzt ist Elisabeth M. 84 Jahre alt, geistig verwirrt und hat bereits hilflos drei Nächte in ihrem Rollstuhl  in Berliner Bahngebäuden verbracht. Doch dann hat sie Glück im Unglück: Ein hilfsbereiter Mitbürger bringt sie in die Bahnhofsmission Zoologischer Garten.

In Berlin hat sich herumgesprochen, dass die Bahnhofsmission Zoo rund um die Uhr geöffnet hat. Damit ist sie eine der ganz wenigen Einrichtungen in der Stadt, an die sich Menschen in Notsituationen auch nachts wenden können. Hier gibt es sogar Betten, um Bahnreisende in akuter Not versorgen zu können. Wenn jemand den letzten Zug verpasst oder die Fahrkarte verloren hat oder wenn ihm seine Geldbörse gestohlen wurde, kann er in der Bahnhofsmission übernachten und die Mitarbeitenden helfen, das Problem zu lösen.

Neue Matratzen dank Spenden
"In unseren drei Schlafkabinen mit insgesamt neun Betten übernachten vom 15-jährigen Ausreißer über eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie bis zur 85-jährigen Großmutter die unterschiedlichsten Menschen", erzählt Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission Zoo. "Bis zu 600 Hilfesuchende schlafen jedes Jahr hier. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir dank Spendengelder, die der Bundesverband der Bahnhofsmissionen uns zur Verfügung gestellt hat, neue gute und robuste Matratzen anschaffen konnten."

Hilfe endet nicht am nächsten Morgen
Die zumeist ehrenamtlich Mitarbeitenden der Bahnhofsmission schauen genau hin, ob sich der Reisende lediglich in einer akuten Notsituation befindet oder ob existenzielle Probleme dahinter stecken. So wie bei Elisabeth M. Die Bahnhofsmission nimmt Kontakt zu ihrem Mann auf, vermittelt zwischen den Eheleuten und dann begleitet ein Mitarbeiter die 84-Jährige im Zug bis nach Stuttgart. Nur so kann sichergestellt werden, dass die demente Frau dort auch ankommt. Beim Gespräch während der Bahnfahrt wird klar, dass das Ehepaar in einer ausweglosen Situation steckt. Die Stuttgarter Bahnhofsmission nimmt sich der beiden alten Menschen an und vermittelt ihnen weiterführende soziale Hilfen. "Schlafgäste bedeuten oft auch Teamwork unterschiedlicher Bahnhofsmissionen", betont Puhl.

Wie wichtig die Möglichkeit der Notübernachtung ist, hat Puhl übrigens 1974 selbst erfahren.  Als 17-Jähriger hatte er sich mit seiner Mutter von einem kleinen Ort bei Kiel mit dem Zug auf den Weg nach Warschau zu den Großeltern gemacht. Am späten Abend in Hannover verpassten die beiden den Anschlusszug. "Wir kamen vom Land und waren in der großen Stadt völlig verloren", erinnert er sich schmunzelnd. „Die Bahnhofsmission hat uns sehr zuvorkommend behandelt, uns getröstet, Betten zur Verfügung gestellt und uns am nächsten Tag mit einem Stullenpaket in den richtigen Zug gesetzt.“

Die Bahnhofsmission Zoo kümmert sich täglich um 500 bis 600 wohnungslose Menschen. Um diese Herausforderung meistern zu können, ist die Einrichtung auf Spenden und ehrenamtlich Mitarbeitende angewiesen.

Ihr Weg zur Bahnhofsmission Berlin Zoo

Wer Hilfe am Bahnhof Zoo benötigt oder die Bahnhofsmission unterstützen möchte, wendet sich bitte an:

Bahnhofsmission Berlin-Zoologischer Garten
Jebensstraße
10623 Berlin
Tel: 030 31380 88
E-Mail: berlin-zoo@bahnhofsmission.de 


 
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