Aktuell ist die neue Dauerausstellung „Zwischen Gleisen und Geschichte(n)“ in der Ökumenischen Bahnhofsmission Hannover zu sehen, in der die Geschichte der Bahnhofsmission aufbereitet wurde. Die Ausstellung würdigt die langjährige diakonische Arbeit der Bahnhofsmission Hannover. Sie richtet sich gleichermaßen an ehrenamtlich Mitarbeitende, hilfesuchende Gäste und interessierte Besucher*innen. Gezeigt wird, wie sich die Bahnhofsmission über die Jahrzehnte hinweg als zuverlässiger Ort der Hilfe und Menschlichkeit etabliert hat – inmitten gesellschaftlicher Umbrüche, Fluchtbewegungen und politischer Spannungen. Mehr...
In ihrem Grußwort im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung am 27. Mai 2025 erläuterte Marion Timm, Vorständin der Diakonie in Niedersachsen: „Mit der neuen Dauerausstellung ‚Zwischen Gleisen und Geschichte(n)’ in der Ökumenischen Bahnhofsmission Hannover wird ein Stück einzigartiger diakonischer Historie gezeigt. Es wird deutlich: Die Arbeit der diakonischen Ehrenamtlichen ist damals wie heute unverzichtbar.“
Auf sechs Plakaten wird die Historie der Ökumenischen Bahnhofsmission Hannovers dargestellt. Bei ihrer Gründung war die Bahnhofsmission Schutzraum für alleinreisende Frauen. Das Angebot wurde jedoch bald auf alle Hilfesuchenden ausgeweitet. Während des NS-Regimes wurde die Bahnhofsmission in Hannover geschlossen und erst wieder im Oktober 1945 eröffnet. Während der Nachkriegszeit nahm die Bahnhofsmission eine wichtige koordinierende Rolle ein: Sie betreute Heimkehrer, Vertriebene, Displaced Persons und Flüchtlinge und versorgte sie mit Essen, Trinken oder Schlafplätzen und begleitete sie seelsorgerlich.
Auch während der Teilung Deutschlands spielte die Bahnhofsmission eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Flüchtlingen. Im Frühjahr 1952 begann eine Fluchtwelle aus der DDR. Neben wirtschaftlichem Mangel, unerreichbarer Normerhöhungen in der Produktion, und dem Terror gegen die Zivilbevölkerung ließ der Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 die Fluchtbewegung weiter ansteigen. Die Aussiedlerflüge, im Luftfahrtjargon A-Flüge genannt, brachten 1953 über 102.000 Menschen über Hannover in die BRD.
In Empfang genommen werden die Geflüchteten von der Bahnhofsmission, die eine Außenstelle am Flughafen einrichtete. Eine Bahnhofsmissionarin stand parat, gab seelsorgerlichen Zuspruch und Orientierung. Die teilweise sehr verunsicherten Ankommenden erhielten Erste-Hilfe-Maßnahmen und wurden mit Essen und Trinken versorgt, bevor es zur Registrierung ging.
Während des Kalten Krieges ist die Arbeit der Bahnhofsmission weiterhin von Fluchtbewegungen geprägt. Sie unterstützte jedoch auch Jugendliche aus der DDR bei ihren Bemühungen, einen Gästeausweis zu erlangen und betreute die sogenannten „Wandler zwischen den Welten“ – das waren Jugendliche ohne festen Wohnsitz, denen es aus verschiedenen Gründen nicht gelang, in der DDR oder BRD biographisch anzukommen, und die im Zonenrandgebiet und an den Bahnhöfen strandeten. „Die Ausstellung macht deutlich, warum es Bahnhofsmissionen seit über 130 Jahren gibt: Immer schon und immer wieder reagiert Bahnhofsmission mit ihrer Arbeit auf die aktuellen politischen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Bedarfe. Das macht sie langfristig zu einem verlässlichen Ort für Hilfe und Unterstützung jeglicher Art“, so die Leiterin und Geschäftsführerin der Ökumenischen Bahnhofsmission Hannover e.V., Karin Hammerich.
Die Idee zu der Ausstellung ist aus einem Forschungsprojekt im Rahmen der Dissertation von Dr. Jann-Thorge Thöming (Referent Bahnhofsmission, Straffälligenhilfe, Ehrenamt bei der Diakonie in Niedersachsen) entstanden. „Bahnhöfe sind die sozialen Schmelztiegel, dort treffen ganz verschiedene Menschen aufeinander. Und so wie die Menschen verschieden sind, sind auch die Angebote der Bahnhofsmissionen vielfältig und unterschiedlich. Sie orientieren sich ganz nach der Bedarfslage der Menschen vor Ort. Das ist die Stärke der Bahnhofsmissionen und das spiegelt auch die Ausstellung wider. Bahnhofsmissionen sind dort, wo Menschen auf ‚Reisen‘ Hilfe und Unterstützung benötigen“, so Dr. Jann-Thorge Thöming.
Und Matthias Böning, Geschäftsführer der Diakonie Hildesheim und Vorsitzender der Landesgruppe der Bahnhofsmission in Niedersachsen, ergänzt: „Die Bahnhofsmissionen haben in ihrer über 130-jährigen Geschichte immer gezeigt, dass sie Notlagen früh erkennen, auf die Nöte der Menschen schnell reagieren und auch dank engagierter Ehrenamtlicher angemessen handeln können. Als Landesgruppe der Bahnhofsmissionen in Niedersachsen hoffen wir, dass diese wichtige Arbeit auch zukünftig von Staat, Kirchen und Gesellschaft ermöglicht und ausreichend gefördert wird.“
Die Ausstellung ist kostenlos, für jede*n zugänglich und kann jederzeit besucht werden.
Weitere Informationen und Kontakt:
Dr. Jann-Thorge Thöming
Diakonie in Niedersachsen
Bereich Beratung und Gemeinwesenarbeit
Referat Bahnhofsmission
Referat Straffälligenhilfe
Referat Ehrenamt
Telefon: +49 511 3604 – 127
E-Mail: jann-thorge.thoeming@diakonie-nds.de
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