Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis von Gisela Sauter-Ackermann
Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, so ist mir geholfen (Jeremia 17,14)
Wie wirkt Hilfe? Was braucht sie, um wirksam zu werden?
Für die Wirkung von Psychotherapie gibt es Studien, die sagen, dass die Qualität der therapeutischen Beziehung der entscheidende Erfolgsfaktor ist.
Das entspricht der Erfahrung aus der Arbeit der Bahnhofsmission: Hilfe ist ein Beziehungsangebot, ein Beziehungsgeschehen.
Und woraus besteht dieses Beziehungsangebot?
Es besteht wesentlich darin, einen Menschen in seiner Not zu sehen, ihm ehrliches Interesse zu signalisieren, sich ihm zuzuwenden, sich Zeit zu nehmen. Auf dieser Grundlage kann Vertrauen wachsen.
Und darauf kann dann die fachliche Hilfe aufsetzen. Fachlichkeit ohne Beziehungsarbeit ist vergeblich. Beziehungsarbeit ohne Fachlichkeit kann kaum nachhaltige Veränderungen bewirken.
„Hilf mit, so ist mir geholfen“. Für mich beschreibt dies ein grundlegendes Momentum im Hilfegeschehen – die Initialzündung, die dazu führt, dass sich ein Mensch dem anderen anvertraut.
Es ist die unersetzliche, großartige Arbeit, die hunderte von Ehrenamtlicher Tag für Tag in den Bahnhofsmissionen leisten. In der Praxis sind sie meist die ersten, die mit unseren Gästen in Kontakt kommen, Beziehung und Vertrauen aufbauen und damit Türen zur Arbeit von Fachkräften und Fachstellen aufschließen.