Hauptbahnhof Gleis 1
53111 Bonn
Tel.: 0228 / 632035
Fax: 0228 / 18089224
Email: bahnhofsmission@dw-bonn.de
Jahresbericht 2025 Bahnhofsmission Bonn
Da sein, wo´s drauf ankommt!
Am Bahnhof treffen täglich Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten aufeinander. Für viele ist die Bahnhofsmission ein Ort der Orientierung, der Ruhe und der Unterstützung. Reisende mit Fragen, ältere Menschen, wohnungslose Personen oder Menschen in persönlichen Krisen – sie alle finden hier ein offenes Ohr und konkrete Hilfe.
Dank der Unterstützung vieler engagierter Menschen konnten wir auch im Jahr 2025 verlässlich für Hilfesuchende da sein (siehe Grafik). Diese Zahlen zeigen: Die Nachfrage nach niedrigschwelliger Hilfe am Bahnhof bleibt hoch.
Herausforderungen in 2025
Im Jahr 2025 haben wir besonders wahrgenommen:
• steigende Armut und Wohnungslosigkeit
• ansteigender Drogenkonsum von einzelnen Gästen und damit erhöhtes Aggressionslevel
• mehr Menschen mit psychischen Belastungen
• zunehmende Einsamkeit, besonders bei älteren Personen
Gerade in akuten Situationen sind schnelle, unbürokratische Hilfen entscheidend.
Neuerungen in 2025
1. Dank der Förderung der Aktion Mensch konnten wir mit unseren Gästen zwei Tagesausflüge unternehmen: Im Herbst ging es per Bootsausflug auf dem Rhein nach Linz mit Stadtbesichtigung und anschließendem gemeinsamen Mittagessen und im Winter besuchten wir das Schokoladenmuseum in Köln. Bisher waren solche Aktivitäten aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht möglich. Berichte zu beiden Ausflügen finden Sie auf unserem neuen Bahnhofsmissions-Blog https://diakonischeswerk-bonn.de/vor-ort/bahnhofsmission/
Auch in 2026 werden wir die Tagesangebote fortführen, da sie für die Menschen eine positive Abwechslung abseits ihres oftmals belastenden Alltages darstellen.
2. Infolge der zunehmenden Aggressivität einiger Besucher:innen werden alle Schichten seit Mitte März 2025 mit mindestens zwei Ehrenamtlichen besetzt. Um im Notfall Hilfe zu holen, bedarf es einer zweiten Person, die die Bundespolizei kontaktiert.
In Zusammenarbeit mit dem Arbeitsschutz der Diakonie wurde darüber hinaus im Frühjahr 2026 eine Personen-Notsignal-Anlage installiert. Im Ernstfall wird via App oder Notknopf damit die Leitstelle des DRK Mainz aufgeschaltet und die definierte Meldekette automatisch in Gang gesetzt.
3. Dank des Aufwuchses unseres ehrenamtlichen Teams konnten wir den Bahnsteigdienst und damit die aufsuchende Hilfe wieder einführen, sodass die Sichtbarkeit der Bahnhofsmission auf und um den Bahnhof herum wieder gewährleistet ist.
Ehrenamtliches Engagement
Unsere Arbeit wird maßgeblich von ehrenamtlichen Mitarbeitenden getragen. Sie schenken Zeit, Aufmerksamkeit und Unterstützung. 2025 engagierten sich 31 Ehrenamtliche regelmäßig in der Bahnhofsmission. Ihr Einsatz sorgte dafür, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Dafür unser herzlichstes DANKESCHÖN!
Finanzierung
Die Bahnhofsmission finanziert sich aus Spendenmitteln. Insgesamt wurden in 2025 24.076 Euro an Spenden eingenommen. Die Kosten für den laufenden Betrieb betrugen im letzten Jahr 49.606 Euro. Die Finanzierungslücke wurde mit Eigenmitteln von Diakonie und Caritas geschlossen. Spenden bleiben daher ein wichtiger Baustein, um die Arbeit der Bahnhofsmission auch in Zukunft zu sichern.
Zudem konnten wir zum Ende des Jahres Mittel von der Landesförderung durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW beantragen. So war es uns möglich, dass erstmals eine Kollegin aus der Fachambulanz der Suchthilfe von Diakonie und Caritas das Ehrenamts-Team für insgesamt vier Monate mit Know-how unterstützte. Außerdem konnten damit Maßnahmen zur Gewinnung von Spenden in Angriff genommen werden. Im Dezember darüber hinaus ein erstes Netzwerktreffen auf Einladung der Bahnhofsmission stattgefunden, um das Angebot noch stärker am Bedarf des Sozialraums Hauptbahnhof auszurichten.
Ausblick
Auch im kommenden Jahr rechnen wir mit einer hohen Nachfrage. Die Bahnhofsmission bleibt ein wichtiger Ort der Unterstützung – mitten im Alltag vieler Menschen. Damit wir weiterhin verlässlich helfen können, sind wir auch zukünftig auf Engagement und Unterstützung angewiesen.
Mit dem von der Stadt geplanten Umbau des Zentralen Omnibusbahnhofs und der für 2028 von der DB anvisierten Gleis- sowie Gebäudesanierung am Bonner Hauptbahnhof kommen auch auf den Sozialraum massive Veränderungen zu. Anlaufstationen für hilfesuchende Menschen müssen verlegt werden und doch erreichbar bleiben. Mithilfe finanzieller Förderung des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) konnte die Bahnhofsmission Bonn mit im Bahnhofsmilieu agierenden Akteuren wie der Wache GABI, der Fachambulanz Sucht, dem Verein für Gefährdetenhilfe der Deutschen Bahn und vielen anderen zwei Netzwerktreffen organisieren (15. Dezember 2025, 10. Februar 2026), bei denen es um Verständnis, Austausch und Organisation von Hilfen ging.
Dem Bonner Stadtrat obliegt die Entscheidung über den Standort des Interimscontainers, der für den Zeitraum der Bauarbeiten Heimat der Bahnhofsmission sein soll.
Um die Bahnhofsmission auch unter den bevorstehenden veränderten Rahmenbedingungen handlungsfähig und zukunftsfest aufzustellen, möchten wir die fast ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitarbeitenden zusätzlich stärken. Daher planen wir die Einrichtung eines Freiwilligendienst-Platzes (BFD/FSJ). Ein Bufdi bzw. FSJler kann das Team etwa bei Begleitung von Gästen, der Entlastung in Stoßzeiten sowie bei der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher unterstützen und mit mehr Öffentlichkeitsarbeit die Sichtbarkeit der Bahnhofsmission erhöhen.
Ihre Unterstützung wirkt
Die Bahnhofsmission lebt von Engagement – und von Spenden. Sie helfen dabei,
• Getränke und kleine Hilfen bereitzustellen
• Menschen in akuten Notlagen unbürokratisch zu unterstützen
• Ehrenamtliche zu begleiten und zu qualifizieren
• den offenen und niedrigschwelligen Zugang zu sichern
Dies wird durch die positiven Rückmeldungen einzelner Klient:innen immer wieder deutlich:
„Ich habe mich gefühlt, wie eine Prinzessin“
Im Oktober organisierte die Bahnhofsmission Bonn mit Unterstützung von Aktion Mensch für 17 Stammgäste einen besonderen Ausflug. Eine Schifffahrt von Bonn nach Linz mit Aufenthalt und gemeinsamem Pizzaessen. Viele der Gäste leben in schwierigen Situationen, etwa mit Wohnungslosigkeit, Sucht- oder psychischen Erkrankungen, was sie vor allem eins vermissen lässt: Teilhabe. Für viele war der Ausflug ein wunderschöner Tag voller Gemeinschaft, Abwechslung und Wertschätzung. Beim Verlassen des Schiffes schwärmte eine Teilnehmerin: „Ich habe mich gefühlt wie eine Prinzessin“.
„Hier bekomme ich immer meinen Kaffee“
Eine obdachlose Frau, die regelmäßig Gast an Gleis 1 ist, packt aus ihrem Weihnachtspäckchen von der Tafel ein Pfund Kaffee aus und reicht dieses einer Mitarbeiterin im Gastraum. „Ich habe keine Kaffeemaschine und ich weiß, dass ich hier immer ‚meinen‘ Kaffee bekomme.“
Wenn nichts mehr geht
Ein Mann auf der Durchreise kommt in den Gastraum der Bahnhofsmission. Er hat seinen Geldbeutel verloren. Ohne Bargeld, Fahrkarte und die Möglichkeit, seine Weiterreise zu bezahlen, weiß er nicht weiter. Die Ehrenamtlichen helfen unkompliziert aus. Der Mann verspricht, das Geld in Kürze zurückzugeben. Es gibt keine Sicherheit, keinen Vertrag, keine Garantie, nur sein Wort. Wenige Tage später steht er wieder im Gastraum. Dankbar gibt er das Geld zurück.
Wenige kleine Geschichten, die viel über die Arbeit der Bahnhofsmission erzählen und deutlich machen: Hilfe beginnt oft mit Vertrauen. Eine wertvolle Basis zur Weiterleitung ins Hilfesystem.
Danke
Wir danken allen Ehrenamtlichen, Kooperationspartnern und besonders allen Spenderinnen und Spendern. Ihre Hilfe macht die Arbeit der Bahnhofsmission erst möglich.
Besonders hilfreich ist nach wie vor die gute Zusammenarbeit mit dem Prälat-Schleich-Haus und mit dem Verein für Gefährdetenhilfe, die Unterstützung durch das Sozial- und Ausländeramt der Stadt Bonn, der Wache GABI und der Bundespolizei.
Bitte bleiben Sie auch in Zukunft an unserer Seite!
Ihre Bahnhofsmission in Trägerschaft von Diakonie und Caritas Bonn
Spendenkonto: Diakonisches Werk Bonn Und Region gGmbH
DE73 3705 0198 0000 0482 80

Unsere regelmässigen Öffnungszeiten sind montags bis sonntags 11-17 Uhr (Sa/So i.d.R. nur bis 14 Uhr). Kurzfristige Änderungen der Öffnungszeiten (z.B. am Wochenende) je nach Personalsituation möglich. Näheres erfahren Sie an der Information im Bahnhofseingang oder telefonisch.

Die Bonner BaMi zeichnet sich durch sehr engagierte Ehrenamtliche aus, die mit ganz viel Herz und Verstand da sind und sich unseren Gästen und Hilfesuchenden vorbehaltlos widmen. Sie sind einfach da für Menschen, die reisen und/oder auf den Wegen ihres Lebens unterwegs sind und bei uns Hilfe und Ruhe suchen.
Wir begleiten Sie am Bahnhof. Wir bieten Ein-, Um- und Aussteigehilfen. Außerdem sind wir Ansprechpartner für Fragen, Sorgen und Nöte sowie Anlaufstelle für Rat- und Hilfesuchende:
-Reisende mit Behinderung
-Mütter und Väter mit Kindern
-Allein reisende Kinder
-Alte Menschen
-Verwirrte und orientierungslose Menschen
Außerdem bieten wir:
-Weitervermittlung zu Hilfen und Fachdiensten in Bonn
-Aufenthalt und Getränke
-Wickeltisch
-Behindertentoilette
-Refill-Station
Können wir Ihnen helfen oder Sie uns?
Unser Team setzt sich aus z.Zt. 25 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im Alter zwischen 20 und 75 Jahren zusammen. Da wir insgesamt 24 Dienste in der Woche zu besetzen haben, freuen wir uns über jeden Neuzugang in unserem Team!
Unsere Träger sind Caritas und Diakonie, die 100% ökumenisch agieren.
