22. JUNI 2025

Gedanken zum 1. Sonntag nach Trinitatis

"Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich." Lukas 10,16a

 

Wer euch hört, der hört mich; wer euch verachtet, der verachtet mich:

Diese Worte gab Jesus seinen Jüngern mit, als er sie losschickte, Gottes Botschaft in die Welt zu tragen. Er machte den Jüngern, ganz durchschnittlichen Menschen, bewusst: Es gibt jemanden und etwas, das hinter euch steht und euch Halt gibt. Auch wenn ihr angegriffen, gemobbt, lächerlich gemacht werdet. Ihr seid verbunden mit einer Quelle, die Kraft gibt, die stärkend und heilend wirkt auf euch und auf die, die euch hören.

 

Ich denke, wir alle können Kraft schöpfen aus solch einer Quelle. Die Zugänge sind mannigfaltig. Manche finden den Zugang durch ihre Religiosität, andere durch das Verbunden-Sein mit anderen Menschen, mit der Natur, durch ein Sich-berühren-Lassen von Kunst, Musik, Tanz und, und, und … All dies kann uns Kraft schenken. Kraft, die uns hilft, Liebe und Freude auszustrahlen, die uns hilft, „aufrecht“ zu sein und für Werte einzustehen, die uns hilft, für andere da zu sein. Wenn wir Zugang haben zu dieser Quelle fühlen wir uns „echt“ und schaffen es, auch andere zu berühren. Es fällt uns leichter, ungerechtfertigte Anfeindungen von uns abprallen zu lassen.

 

Wer euch hört, der hört mich; wer euch verachtet, der verachtet mich:

Wir sollten dies aber auch als Aufforderung verstehen. Als Aufforderung, besser hinzuhören auf das, was andere uns mitteilen. Auch und vielleicht gerade dann, wenn wir mit jemandem „fremdeln“. Neben all den guten Begegnungen mit Gästen am Bahnhof, haben wir immer wieder auch mit Menschen zu tun, die wir als „nervig“ empfinden, als anstrengend, als „Schwätzer“. Oft liegt dies daran, dass jemand nicht „hinter seine Fassade“ blicken lassen will oder einfach nie gelernt hat, eigene Gedanken und Emotionen auf die „richtige“ Weise auszudrücken.

Vielleicht lohnt es sich, aufmerksamer hinzuhören. Nicht nur, um besser helfen zu können. Sondern auch aus Interesse am Gegenüber, aus Achtung vor dem, was die andere Person mitzuteilen weiß.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir unsere Zugänge (wieder-) entdecken zu unseren Kraftquellen. Und dass wir hinhören und hinsehen lernen, damit wir auch bei unfruchtbar erscheinenden Begegnungen den „göttlichen Funken“ aufblitzen sehen.

 

Daniela Stumpe

Leiterin der Bahnhofsmission Tübingen