13. JULI 2025

Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis

"Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi." (Galatherbrief 6,2)

 

Mir hat auch keiner geholfen. Diesen Satz habe ich in meiner Kindheit oft gehört. Die Erfahrung dahinter: Ich musste alleine klar kommen. Und die Folgerung: dann komm du auch alleine klar. Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.

 

Das enttäuschte Leben redet so. Leben ist eben ein Kampf, bei dem man sich Mitgefühl nicht leisten kann. So macht man sich hart, und eines Tages spüre ich mein eigenes Leben nicht mehr, und so auch nicht das Leben der Anderen.

 

Daran wird erkennbar, dass das „Sich-Selber-Helfen“ auch einen Preis haben kann. Ja, ich komm schon klar mit meiner Last, doch richtig glücklich bin ich damit nicht. Ich fühle mich ungerecht behandelt vom Leben, und diese Erfahrung wird zur Last, die innerlich lähmt, zum Schatten, der mich misstrauisch macht, auch dem Guten gegenüber.

 

Wer, wie im Gleichnis vom Sämann nur die Erfahrung der Dornen, der Härte des Felsens, der Stiefel gemacht hat, die das Leben, das Wachsen verhindern, der kann den Blick für den guten Samen verlieren, den Blick für die Kraft, die einen zum Segen macht.

 

Die Last bitterer Erfahrungen zu teilen, diese Last des Anderen zu tragen, kann nur bedeuten, zu zeigen, dass das Bittere, die Dornen, die Stiefel, die Härte des Felsens kein Recht haben, für immer mein Leben zu bestimmen.

 

Die Last des Anderen zu tragen, mitzutragen, hat ein Ziel: die Last ablegen zu können. Und das weiß jeder, jede, wie befreiend es ist, an ein Ziel zu kommen, wo ich die Last ablegen kann, wo diese Last mein Leben nicht mehr bestimmt.

 

Die Gemeinde wäre solch ein Ort, wo Menschen so begleitet werden, dass sie dann ihre Last ablegen können, und sich so das Gesetz Christi erfüllt.

 

Pfarrer i. R. Gerhard Brose

Leiter der Bahnhofsmission Bonn