03. AUGUST 2025

Gedanken zum 7. Sonntag nach Trinitatis

"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen." (Epheserbrief 2, 19)

 

„Fremdlinge“, „fremd“ – so fühlen sich viele Menschen, die unsere Bahnhofsmissionen aufsuchen. Sie werden im Bahnhof oder in der Stadt skeptisch, sogar abschätzig beäugt; sie spüren die Vorverurteilung, die ihnen entgegengebracht wird. Es werden immer mehr Menschen, die an immer mehr Stellen nicht einmal mehr als „Gäste“ geduldet werden, die Ausgrenzungserfahrungen machen, weil immer mehr Türen verschlossen werden.

 

Menschen, für die unsere Bahnhofsmissionstüren so selbstverständlich offenstehen: unabhängig von Religion, Herkunft, Sexualität und sozialem Status. Doch Rassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus, gar direkte Angriffe auf Wohnungslose, um nur einige Beispiele zu nennen, nehmen immer mehr zu und bestimmen den Alltag vieler, die Bahnhofsmissionen aufsuchen. An so vielen Stellen wird Menschen ihre unantastbare Würde aberkannt.

Auch wenn wir in Bahnhofsmission auch oft von „Gästen“ sprechen, bin ich doch froh, zu wissen, dass es eigentlich darüber hinaus geht und sich unsere Gäste, so, wie es im Epheserbrief steht, in den sicheren vier Wänden der Bahnhofsmission als „Mitbürger“ (und Mitbürgerinnen) wahrgenommen fühlen.

 

Jemand sagte mir mal: „Der erste Ort in Bremen, den ich kennengelernt habe, das war die Bahnhofsmission. Ich kam aus Schweden, hatte dort gearbeitet, konnte dort aber nicht mehr bleiben. Ihr habt mich hier aufgenommen und willkommen geheißen, seitdem komme ich immer wieder zu euch. Ihr hört mir zu, hier darf ich sein.“ Es sind Bemerkungen und Gespräche wie diese, durch die deutlich wird, hier in der Bahnhofsmission sind wir alle Mitbürger*innen.

 

Im Epheserbrief müssen sich die Gäste und Fremdlinge zum Glauben an Jesus Christus bekennen, denn nur so können sie zu Mitbürgern der christlichen Gemeinschaft werden. Missionieren wollen wir die Menschen, die zu uns kommen zum Glück nicht. In der Bahnhofsmission sind wir alle Mitbürger*innen, unabhängig von unserem persönlichen Glauben. Doch der Gast sagte mir auch, dass er es gut findet, dass allein schon anhand unseres Logos deutlich wird, dass wir christlich sind. „Christen, das sind gute Menschen“ sagt er, auch wenn er selbst mit dem Glauben nicht viel am Hut hat. Es ist schön, zu wissen, dass es wahrgenommen wird, wenn wir tagtäglich christliche Grundwerte leben, in der Hoffnung, diese Welt ein bisschen besser machen zu können. Eine Welt, in der Menschen, die immer öfter ausgeschlossen werden, dadurch wieder Mitbürger*innen sind.

 

Marieke Grupe

Leiterin der Bahnhofsmission Bremen