"So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein." (EpJesaja 43,1)
Zu meiner Verabschiedung als Landesvorsitzender der Evangelischen Bahnhofsmission in Niedersachsen erhielt ich als Geschenk das Buch „Praxis Bahnhofsmission“ von Christine Siegl. Auf der Basis eigener Erfahrung beschreibt die Autorin die konkrete Arbeit der Stationen der Bahnhofsmissionen und stellt diese in den Zusammenhang umfassender Theorieentwürfe aus Theologie, Sozialwissenschaften und weiteren Fachgebieten. Eine spannende, sehr interessante Lektüre!Mehr...
Immer wieder fällt dabei der Begriff der Niedrigschwelligkeit. Die Arbeit der Bahnhofsmission geschieht niedrigschwellig. Auch wenn neben der Reisehilfe auf dem Bahnsteig zum konkreten Besuch vieler Bahnhofsmissionsräumlichkeiten Klingelknöpfe gedrückt und Schwellen überschritten werden müssen, gibt es doch im Grundsatz keine Voraussetzungen oder Vorleistungen für den Besuch. Jede und jeder wird willkommen geheißen und als Gast begrüßt, man bemüht sich um einladende Räume, bei Kaffee und Gebäck gibt es Gesprächs- und Hilfsangebote oder einfach nur die Möglichkeit, ein wenig auszuruhen. Begegnung geschieht auf Augenhöhe, von Mensch zu Mensch.
Für mich macht dieser Ansatz der Bahnhofsmission erfahrbar, was der biblische Wochenspruch über die Arte und Weise aussagt, wie Gott den Menschen begegnet: Fürchte dich nicht, ich kenne dich und bin für dich da, du gehörst zu mir und damit auf die Seite des Lebens. Für viele Besuchende ist die Niedrigschwelligkeit des Zugangs und die Möglichkeit einer Begegnung mit Achtung und auf Augenhöhe sehr wichtig - gerade auch in komplizierten Lebenssituationen. Sie erfahren dies als Achtung ihrer Menschenwürde und werden in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt. Immer wieder schöpfen Besuchende neuen Mut, die nächsten Schritte in das künftige Leben zu gestalten, so schwierig es auch oft ist.
Ich bin sehr dankbar, dass sich immer wieder Menschen finden, die sich beruflich oder ehrenamtlich in den Dienst der Bahnhofsmission stellen. So helfen sie konkret und zeigen in der niedrigschwelligen Art ihres Umgangs mit den Gästen, was es heißt, dass vor Gott alle Menschen gleich sind. Zu allen spricht er: Fürchte dich nicht, ich kenne dich und bin für dich da, du gehörst zu mir.

Probst i. R.
Jörg Hagen
