10. AUGUST 2025

Gedanken zum 8. Sonntag nach Trinitatis

"Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.." (Epheserbrief 5,8b.9)

 

Vor ein paar Tagen war ich bei einem Requiem in unserer Kirche. Gestorben war im Alter von 87 Jahren ein ehemaliger Lehrer, Ehemann, Familienvater, Camper, Opa, Naturfreund und eben auch Ehrenamtlicher in der Kirchengemeinde. So hatten wir uns kennengelernt.Mehr...

 

Die Familie von Rudolf erzählte während der Feier voller Dankbarkeit und Liebe von Rudolfs erfülltem Leben. Einige Episoden sind mir besonders im Gedächtnis geblieben:

Als sechsjähriger wurde Rudolf an das Sterbebett seines Opas gesetzt, damit dieser nicht so alleine sei. Plötzlich schlug der Opa die Augen auf und sagte: Was für eine wunderschöne Musik! Hörst du sie auch, Junge? Danach starb er.

Bereits mit 6 Jahren war Rudolf für seinen 3 jährigen Bruder verantwortlich; der Vater war im Krieg, die Mutter arbeitete in einer Fabrik.

Eine Fahrt in einem Eisenbahnwaggon aus dem Sudetenland „heim ins Reich“ verbrachte Rudolf zusammen mit seinem Freund hoch oben auf Strohballen, von denen sie durch eine Lücke im Dach in den Himmel schauen konnten.

Während dieser Fahrt traf die Familie an einem Bahnhof den Vater, der aus dem Krieg heimkehrte, so dass die Familie wieder vereint war.

 

Als Quintessenz dieser Ereignisse ergab sich: Rudolf hatte keine Angst vor dem Tod, er tat, was getan werden musste, machte aus jeder Situation das Beste und er glaubte an Wunder.

 

Sein Glaube an Gott hat ihn sein Leben lang begleitet und ich habe ihn tatsächlich nur als gütigen, gerechten und auf Konsens bedachten Mann kennengelernt, als Kind des Lichtes.

 

Und doch frage ich mich, reicht das aus angesichts der schrecklichen Kriege auf der Welt, der verhungernden Kinder, der ausgesperrten Menschen, die Zuflucht und Zukunft  in Europa suchen.

Tue ich in diesem reichen Land, in meinem reichen Leben genug, wenn ich mich um meine Nächsten kümmere?

 

Ein guter Ort, um täglich die Welt ein bisschen besser zu machen, ist für mich unsere Bahnhofsmission gewesen.

 

Für mich endet diese Arbeit mit dem Eintritt in den Ruhestand zum 1.8.25. Ich danke an dieser Stelle herzlich für all die Begegnungen mit Kindern des Lichtes in unserer Bahnhofsmission, auf unseren Jahrestagungen und Konferenzen.

 

Don´t give in without a fight! Pink Floyd/Hey you

 

Karin Stürznickel-Holst

Ehemalige Leiterin der Bahnhofsmission

Kassel-Wilhelmshöhe