17. AUGUST 2025

Gedanken zum 9. Sonntag nach Trinitatis

"Wem viel gegeben ist, von dem wird viel verlangt. Und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern." (Lukas 12,48)

 

Verantwortung für das, was uns geschenkt wurde

 

Dieser Bibelvers bringt für mich ein zentrales Thema auf den Punkt: Verantwortung.

Ich glaube, dass Gott jedem Menschen bestimmte Gaben und Begabungen schenkt. In meinem Fall ist es die Fähigkeit, Musik zu machen und Menschen anzuleiten. Natürlich kann man Musikunterricht nehmen, an Leiterseminaren oder Workshops teilnehmen. Aber ohne ein gewisses Maß an natürlicher Veranlagung – eine Art Grundausrüstung – wird es schwer, darin wirklich aufzugehen und anderen damit zu dienen.

Denn genau darum geht es für mich: Erfolg bedeutet nicht, Anerkennung zu ernten oder Applaus zu bekommen, sondern anderen mit dem, was ich kann, zu dienen, sie zu unterstützen, ihnen Freude zu bereitenMehr...

 

Entscheidend ist meine Haltung. Wenn mir Fähigkeiten und Möglichkeiten geschenkt wurden, möchte ich sie dankbar annehmen und etwas daraus machen. In diesem Zusammenhang gewinnt das Wort Demut für mich an Bedeutung – ein Begriff, der in unserer Zeit kaum noch verwendet wird. Demut bedeutet für mich, nicht mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das, was mir gegeben wurde, für andere einzusetzen.

 

Das heißt nicht, sich zu verstecken oder kleinzumachen – im Gegenteil: Wer viel empfangen hat, darf und soll auch viel weitergeben. Das betrifft nicht nur Talente, sondern auch materielle Dinge.

Dabei ist es aber genauso wichtig, die eigenen Grenzen zu akzeptieren. Auch Menschen, die viel mitbringen, können nicht ständig nur geben. Wenn wir das versuchen, geraten wir schnell an den Rand der Erschöpfung – Burnout ist ein bekanntes Stichwort. Und auch hier zeigt sich wieder: Verantwortung bedeutet nicht nur Fürsorge für andere, sondern auch für sich selbst.

 

Wie gut ist es da, dass ich meine Grenzen Gott anvertrauen kann – im Vertrauen darauf, dass er mich führt, begleitet und mich nicht überfordert.

 

Wiebke Turkat

Leiterin der Bahnhofsmission Elmshorn

 

Anna Federmann

Stellvertretende Leiterin Bahnhofsmission Elmshorn