"Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade" (1. Petrusbrief 5, 5b)
Kürzlich war das Bild eines der berühmtesten Menschen dieser Welt mit einer roten Mütze auf dem Kopf in den Zeitungen zu sehen, auf der sinngemäß stand, dass er immer recht habe. „Was für ein Angeber“, ist der erste Gedanke bei so einem Bild. Mehr...
Der zweite Gedanke kommt mir, als ich darüber nachdenke, wie oft dies das Lebensgefühl ist, auch bei mir selbst, wenn ich mich gegenüber anderen so groß machen muss. Tatsächlich ist man innerlich ganz klein, wenn ein Mensch sich selbst so überhöhen muss. Das mag manchen gefallen. Es zeigt aber, wie weit sich ein solcher „Mützenträger“ von anderen und auch von sich selber entfernt hat. Die letzte Reaktion darauf ist nicht Bewunderung, sondern nach und nach lässt man einen solchen Menschen, der auch gefährlich werden kann, immer einsamer werden. Sie werden immer einsamer.
Anders ist es mit solchen Menschen, die nicht gegenüber anderen auftrumpfen müssen, die sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen kennen und deshalb nicht den Drang haben, andere in den Schatten stellen zu müssen. Nicht nur sind solche Menschen sympathischer, sondern man ist gerne mit Ihnen zusammen, weil sie aus ihrer inneren Gelassenheit heraus das gemeinsame Leben bereichern.
Demut heißt nach biblischem Verständnis nicht Unterwürfigkeit, sondern Offenheit und Zuwendung aus inneren Beweggründen heraus. Die inneren Beweggründe sind das Bewusstsein, von Gottes Liebe zu leben, die innere Stärke verleiht, die sich nicht über andere erheben muss. Das ist Gnade, die wir bei solchen Menschen erleben können und die ansteckend wirkt. Gott sei Dank gibt es solche Menschen, die keine rote Mütze mit selbstgefälliger Aufschrift brauchen.

Pfarrer i. R. Klaus-Dieter Kottnik
Stellv. Vorsitzender
Bahnhofsmission Deutschland e.V.
