"Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!" (Philipperbrief 4,4)
Vor wenigen Tagen treffe ich am Rheinufer auf einen Mann mit einem Fotoapparat . "Ich mache Momentaufnahmen“, sagt er. Sein einziges Kriterium: Das Bild soll Freude ausdrücken!
Herr M. bleibt mit seiner Suche nach Fotomotiven aufmerksam für das, was der Tag an Schönem bereithält. Eben noch waren das die ganz normalen Singvögel. Und dann - mit einem Klick auf den Auslöser - entsteht auf einmal ein kostbares Zeichen für die Schönheit der Natur.
Wie wichtig Freude gerade in schwierigen Zeiten ist, hat Paulus in seinem Brief an die Philipper beschrieben: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden!“
Freude, das Ja zum Leben, ist ein Geschenk Gottes, uns allen in die Seele gelegt. Die Freude am Schaffen, die Freude am Gebrauchtwerden, die Freude am anderen, an mir selbst, an meiner Einmaligkeit, die Freude am Tun, die Freude am Miteinander, an der Schöpfung- Freude vergoldet das Sein.
Und Freude ist unabhängig vom Alter:
Viktor Frankl, ein Psychologe, der im KZ den Holocaust überlebt hat, schrieb ein Buch mit dem Titel: Ja zum Leben, weil Sinn und Freude überall und in jedem Alter zu finden sind, Die Freude im und am Alter. So schreibt Paulus : Auch wenn die äußere Hülle schrumpelt, so kommt die innere Gestalt doch immer mehr zum Leuchten. Mit Blick auf das, was ich erreicht habe, auf die erfahrene Güte, Liebe und Gnade, erlebe ich: Das Leben ist wertvoll, immer und in jedem Augenblick.
Es tut gut, die Aufmerksamkeit bewusst auf das Schöne zu lenken. Der Alltag ist voll davon. Eine Blume, ein Wort, eine Begegnung, das sind Fazetten dieses großen Glücks, auf dieser Erde sein zu dürfen. Die Dankbarkeit macht mir die vielen Freuden bewusst.
Freude gründet sich im Sinn, in dem Sinn, das Leben zu lieben, etwas Gutes in die Welt zu bringen, Ja zum Leben zu sagen. Jedes Licht, das wir weitergeben, erhellt und erfreut die Welt und uns selbst, schenkt anderen und mir Freude und ist unverlierbar geborgen.
Und selbst wenn wir meinen, nicht der geringste Grund zur Freude sei in Sichtweite ist, es gibt ihn: Der unsichtbare, aber immerwährende, ewige Grund zur Freude umgibt und trägt uns. Gott legt die Freude den Menschen gegen die Verzweiflung und Traurigkeit in die Seele, so der italienische Mönch Franz von Assisi. Mitten in die Krisen hinein spricht Gott: "Ihr seid auch in aller Not in meiner Liebe geborgen.“
Das ist der Grund tiefer und ewiger Freude.

Karen Sommer-Loeffen
Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe
