"Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht." (Lukas, 21,28b)
Aufrechten Hauptes und guten Muts – so wünschen sich viele Menschen durchs Leben gehen zu können, mit Selbstvertrauen, gut versorgt, gesund, möglichst erfolgreich und insgesamt zufrieden. Das gelingt manchen, aber durchaus nicht allen. Viele von denen, die sich als Reisende oder Stammgäste in der Bahnhofsmission einfinden, haben nicht das Gefühl, aufrechten Hauptes zu gehen und auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Sie kommen mit gesenktem Kopf und vielen Problemen – oft krank, alt, einsam, einige ohne Arbeit und Geld, manchmal ohne Obdach, besessen von Süchten, unzufrieden, psychisch labil.
In der Bahnhofsmission sind sie als Gäste willkommen, so wie sie sind. Sie erhalten Unterstützung, können reden und treffen bei einer Tasse Tee oder Kaffee auf offene Ohren, auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zuhören und da sind, sie erleben eine Pause im oft stressigen Alltag, Begegnung in ihrem für viele einsam gewordenen Leben, freundliche Worte jenseits der Beurteilung nach Stand, Leistung, Aussehen oder Kleidung. Für viele Menschen sind die Bahnhofsmissionen wie kleine Oasen im Alltag, Punkte des aufrechten Lebens, der Stärkung im körperlichen und seelischen Sinn.
Gerade im Advent kehrt auch in den Bahnhofsmissionen eine besondere Stimmung ein – adventliche Musik, Plätzchen, schön geschmückte Räume – man merkt, es ist die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Wir erinnern uns an die Geburt Jesu. Gott wird Mensch in einem kleinen, schwachen Kind. Zu Weihnachten zeigt er seine Liebe und Nähe besonders denen, die Hilfe brauchen und in Not sind. Für mich wird die Weihnachtsbotschaft von der aufrichtenden Zuwendung Gottes gerade in der Arbeit der Bahnhofsmission immer wieder konkret, dort wo Menschen Hilfe erfahren und in der annehmenden Art des Umgangs spüren, dass Gott für sie da ist und seine Hilfe zum Leben anbietet.
So ist die Arbeit der Bahnhofsmission wie eine Übersetzung des Wochenspruches in das alltägliche Leben – Seht auf und erhebt eure Häupter – auch in schwierigen Situationen des Lebens. Gott zeigt in dem kleinen Kind in der Krippe, dass er uns nahe ist und auch die am Rande den Kopf nicht hängen lassen müssen, sondern Wert haben und trotz aller Probleme aufrechten Hauptes durch das Leben gehen können.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete und Sie aufrichtende Adventszeit!

Probst i. R. Jürgen Hagen
Ehem. Vorsitzender der
Landesgruppe Niedersachsen der
Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission
