"Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Philipperbrief 4,4.5b)
Viele Menschen werden an Heiligabend eine Krippenfeier oder eine Christmette besuchen. Im Weihnachtsevangelium lässt der Evangelist Lukas den Engel zu den Hirten sprechen: „Fürchtet Euch nicht! Ich verkündige Euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll.“
Die Geburt des Erlösers, dass Gott in diese Welt eintritt, ist Grund zu einer großen, tiefen Freude. Das ist nicht das oberflächliche und bald wieder verschwindende Gefühl von Spaß oder eine Befriedigung von Bedürfnissen. Freude ist ein tiefes In-sich-Ruhen, eine Gelassenheit, eine positive Grundeinstellung zu den Menschen und zur Welt, weil ich dankbar sein darf, ein wichtiger Teil davon zu sein. Und weil ich die Hoffnung haben darf, dass trotz vieler Probleme und Hemmnisse alles gut ausgehen wird.
Der Apostel und Briefschreiber Paulus wiederholt an dieser Stelle des Philipperbriefs sogar seinen Aufruf zur Freude. „Noch einmal sage ich: Freut Euch!“ Offensichtlich ist es ihm wichtig, die zentrale Antwort der Christinnen und Christen auf das Nahekommen Gottes zu motivieren: Freude! Könnte eine solche Freude nicht helfen, viele Konflikte zu lösen?
Angst scheint in unserer Zeit ein Hauptproblem zu sein. Angststörungen sind bei psychischen Erkrankungen Nummer 1, wie ich neulich bei einer Fortbildung der Bahnhofsmission gelernt habe. Freude als Mittel gegen die Angst? „Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren!“
Freude kann man natürlich nicht machen oder einreden. Man kann sich aber dafür öffnen und sie sich schenken lassen. Wäre es nicht schön und wichtig, wenn Christinnen und Christen mit Freude ihr Umfeld beschenken würden, nicht aufgesetzt, herablassend oder künstlich, sondern unaufdringlich, aber Halt und Hoffnung gebend? Es würde Resilienz gegenüber Krisen und Herausforderungen erhöhen, Menschen auf Augenhöhe zueinander führen und zu einem wirklichen Frieden auf diversen Ebenen beitragen.
Gott hat sich klein gemacht, er ist mitten unter uns zu finden. Mit der Geburt Jesu ist in der Welt ein Licht der Hoffnung entzündet worden, was nicht mehr auszukriegen ist. Christen sollen dafür Zeugen sein. Mit Freude!

Dr. Hubertus Schönemann
1. Vorsitzender der Bahnhofsmission Erfurt
