"Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe der Herr kommt ..." (Jesaja 40, 3.10)
und
"Eine Stimme ruft: / In der Wüste bahnt den Weg des HERRN, ebnet in der Steppe eine Straße / für unseren Gott" (Jesaja 40,3)
Im Oktober war ich in der marokanischen Wüste unterwegs. Vorhandene Wege? Fehlanzeige. Und dennoch fuhr uns unser Fahrer zielsicher von Ort zu Ort. Woran er sich orientiert hat? Keine Ahnung! Wege, Schilder, markante Wegpunkte konnte ich nicht entdecken. Für mich gab es nur aufgetürmten, roten Sand.
Wenn die Rede vom Wege-Bahnen durch die Wüste ist, dann ist das ein Bild, das ich nach meiner Wüstenerfahrung noch besser verstehen kann. Und Wege bahnen ist ja noch viel mehr als nur Wege zu finden. Wege bahnen bedeutet, Wege zu schaffen, wo keine sind. Sich vielleicht durchs Gestrüpp schlagen, Wege markieren, Straßen bauen. Klingt nach viel Arbeit. Deswegen mag ich auch lieber die schon vorgefertigten, sicheren Wege, auf denen ich komfortabel gehen kann, weiß wo ich lang muss und keine Angst vorm Verlorengehen haben muss.
Das ist beim Gehen so und beim Denken. Da nutze ich auch lieber neuronale Autobahnen. Neues Denken: das funktioniert, ist aber viel mühevoller, weil die Denkwege noch nicht so ausgetreten sind, weil mein Gehirn lieber das Vertraute, Bewährte mag.
Wenn wir Gott also Wege bahnen sollen, dann ist das vielleicht die Aufforderung, Neues auszuprobieren und nicht die ausgelatschten Wege zu nutzen, die wir seit Ewigkeiten gehen. Gott mag anscheinend das Neue, das Experimentelle, vielleicht auch das Überraschende.
An Weihnachten wird das besonders deutlich: Ein Menschenkind. In einer Krippe. Ungewöhnlicher kann sich Gott kaum offenbaren und uns zusagen: Immanuel. Gott mit uns.

Stephanie Feder
IN VIA Deutschand, Geistliche Beirätin
