28. DEZEMBER 2025

Gedanken Sonntag nach Weihnachten

"Wir sahen seine Herrllichkeit,eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit"  (Johannes 1,14b)

 

Der Bahnhof ist ein Ort der Begegnung, des ständigen Kommens und Gehens; ein Spiegelbild unserer Gesellschaft mit all ihren Hoffnungen und Nöten. Am Bahnhof zeigt sich das Leben in all seinen Facetten – vom freudigen Wiedersehen bis zu Momenten der Verzweiflung und Einsamkeit. Inmitten dieses Trubels ist die Bahnhofsmission ein Ort der Ruhe, der praktischen Hilfe und der menschlichen Begegnung. Unsere Arbeit speist sich aus einer tiefen christlichen Überzeugung, die im Johannesevangelium wunderschön zum Ausdruck kommt. Der Bibeltext aus Johannes 1, 14b beschreibt Jesus Christus als jemanden, der voller Gnade und Wahrheit ist.

 

Diese beiden Begriffe, Gnade und Wahrheit, bilden auch das Fundament unseres Handelns in den Bahnhofsmissionen. Das Team der Bahnhofsmission – Haupt- und Ehrenamtliche – fragt nicht nach Herkunft, Status oder Glauben. Inspiriert von der biblischen Botschaft der Gnade und Wahrheit, begegnen wir jedem Menschen mit Respekt und Aufmerksamkeit. Gnade bedeutet bedingungslose Annahme. Sie ist ein Geschenk, um das nicht gekämpft und das nicht verdient werden muss. In der Bahnhofsmission erleben wir täglich Menschen in Notsituationen – obdachlos, auf der Durchreise, mit psychischen oder sozialen Problemen. Wir fragen nicht nach der Vergangenheit, nach Fehlern oder nach Berechtigungsscheinen. Wir begegnen jedem Menschen mit offenen Armen, bieten einen Kaffee, Tee oder eine Scheibe Brot. Viel wichtiger ist oft aber ein offenes Ohr.

 

Wahrheit bedeutet für uns Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. In einer Welt, die oft von schnellen Urteilen und Vorurteilen geprägt ist, bieten wir in unseren Räumen einen Ort der Ruhe. Wir hören zu, nehmen Sorgen ernst und versprechen nur, was wir auch halten können. Die Wahrheit zeigt sich darin, dass wir unsere Gäste in ihrer realen Lebenssituation sehen, ohne sie auf ihre Probleme zu reduzieren. Wir sind da, um Ihnen zur Seite zu stehen, ihre Würde zu wahren und Ihnen mit Respekt zu begegnen. Wir begleiten Menschen auf Ihrem Weg, mit einer Haltung, die beides vereint: liebevolle Zuwendung (Gnade) und ehrliche zugewandte Präsenz (Wahrheit).So wird die Botschaft von Johannes 1, 14 b in unseren Bahnhofsmissionen lebendig.

 

Das war auch wieder am letzten Sonntag in vielen Bahnhofshallen – auch in Osnabrück – erlebbar. Der traditionelle ökumenische Gottesdienst hat gerade in den letzten Tagen des Jahres die Hektik  im und am  Bahnhof ein wenig unterbrochen und uns innehalten lassen.

 

Hoffen wir auf ein gutes Jahr  mit  Frieden in der Welt. In den Bahnhofsmissionen werden wir auch zukünftig unseren christlich basierten Auftrag im Sinne des Johannesevangeliums umsetzen nach dem so nahe liegenden Motto: Menschlichkeit am Zug.

 

Alles Gute für 2026 und bleiben Sie gesund.

Günter Hentschel

Bahnhofsmission Osnabrück