25. JANUAR 2026

Gedanken zum 3. Sonntag nach Epiphanias

" Es werden kommen vom Osten und vom Westen, vom Norden und vom Süden, die zu Tisch  Sitzen werden im Reiche Gottes"  (Lükas 13,29)

 

Dieser Bibelvers klingt wie ein Hoffnungsbild gegen den Zeitgeist. Während politische Debatten härter und Grenzen wieder stärker betont werden, spricht Jesus von einem Tisch, an dem alle Platz haben. Ohne Passkontrolle. Ohne Herkunftsnachweis. Einfach, weil sie Menschen sind.

 

In der Bahnhofsmission erleben wir diesen Vers jeden Tag ganz konkret. Menschen kommen von überall her: Reisende, Gestrandete, Zugezogene, Alteingesessene. Manche sprechen unsere Sprache, manche nicht. Manche haben viel verloren, andere suchen nur einen warmen Kaffee und ein offenes Ohr. Für einen Moment sitzen sie bei uns „zu Tisch“ – teilen Zeit, Brot, Aufmerksamkeit.

 

Gleichzeitig spüren wir die Ungewissheit dieser Tage. Politische Entscheidungen verunsichern, Ängste nehmen zu, der Ton wird rauer. Auch wir fragen uns: Wie offen bleibt unsere Gesellschaft? Wer darf morgen noch mit am Tisch sitzen?

 

Gerade deshalb ist dieser Vers so wichtig. Er erinnert uns daran, dass Gottes Reich größer ist als unsere Grenzen und enger gedacht als jede Ausgrenzung. Er ruft uns zu: Vielfalt ist besser als Einfalt. Nicht Gleichmacherei, sondern gelebte Verschiedenheit macht Gemeinschaft stark.

 

In der Bahnhofsmission halten wir an diesem Tisch fest – im Vertrauen darauf, dass Hoffnung dort wächst, wo Menschen einander begegnen. Von Osten und Westen. Von Norden und Süden. Heute. Hier.

 

 

 

 

Josefine Scotti

Leiterin der Bahnhofsmissionen 

Kiel, Neumünster, Itzehoe und

Bahnhofsmission Mobil Schleswig-Holstein