01. FEBRUAR 2026

Gedanken zum letzten Sonntag nach Epiphanias

"Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker. Doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir."  (Jesaja 60,2)

 

In den letzten Nächten haben viele in manchen Regionen in Deutschland, wo es wenig Lichtverschmutzung gibt, das seltene Nordlicht genießen können. Das ist normalerweise nur in der Polarregion möglich. Farbiges Licht in der Dunkelheit, und das in der Jahreszeit, in der wir uns wieder auf längere Tage freuen! Ein wunderbares Erlebnis!

 

Der Bibelvers heute spielt auch mit Finsternis und Licht. Die Finsternis, mit der die Erde bedeckt ist, will an den Chaos-Zustand vor der Schöpfung erinnern (vgl. Gen 1,1), den der Schöpfergott durch das Scheiden von Licht und Finsternis, von Himmel und Erde, von Land und Meer geordnet hat. Möglicherweise wurde deshalb das Fest zu dieser Zeit in der katholischen Kirche „Mariä Lichtmeß“ genannt. Es schloss früher die Weihnachtszeit ab und war wie ein Scharnier zwischen Weihnachten und dem mit dem Aschermittwoch beginnenden Osterfestkreis. An „Lichtmeß“ wurden Kerzen gesegnet und angezündet, Lichterprozessionen abgehalten. Als ob man die Erleuchtung durch Gott herbeibitten wollte, so wie es das Jesaja-Wort nahelegt: „Über Dir geht leuchtend der HERR auf.“

 

Die biblische Erzählung, die mit diesem Fest verbunden ist, ist jedoch die „Darstellung von Jesus“ im Tempel (Lukas 2,22–40). Seine Eltern bringen ihn in das Heiligtum nach Jerusalem, um ihn Gott zu weihen, wie es im Judentum Brauch ist. Und es sind dort zwei Alte, deren Lebenskreis sich vollendet, Frau und Mann, Hannah und Simeon, die sich betend immer im Tempel aufhalten und auf die neue Initiative Gottes warten. Sie erkennen in dem Kind aus Nazareth Gottes Verheißung und sein Licht für die Menschen. Simeon und Hannah, die für den „alten“ Bund stehen, für die Verheißungen an Israel: Sie als „Seher“ oder „Propheten“ erkennen in dem Kind das Neue, den nahegekommenen Gott. Simeon dankt und preist Gott über diesem Kind: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Völker erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."

 

Hier schließt sich der Kreis zum Jesaja-Wort: Licht und Herrlichkeit, der nahegekommene Gott. Das Heil Gottes ist also – und das ist das Neue - nicht mehr nur für das auserwählte Volk Israel ausersehen. Sein Licht und seine Herrlichkeit, seine Zuwendung gilt allen Menschen universal. Gottes Erleuchtung ist global und kosmisch. Beim Staunen über das Polarleuchten kann man davon einen Eindruck bekommen …

 

Dr. Hubertus Schönemann

Vorsitzender und Diensttuender

Ökumenische Bahnhofsmission Erfurt