"Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.." (Hebräerbrief 3,15)
Der Bibelvers löst in mir gleich mehrere Assoziationen zu Erfahrungen in Bahnhofsmissionen aus:
„Hier in der Bahnhofsmission zählt immer nur ‚Jetzt!‘ und ‚Sofort!‘. Die Menschen, die zu uns kommen, können mit ihren Bedürfnissen in der Regel nicht warten. Hier und heute ist, was zählt“. So berichtete mit ein Leiter. Wer in Not ist oder sich in Not meint – für den oder die gilt nur dieser eine Moment. Das kann anstrengend sein. Es lehrt uns aber auch, ganz präsent zu sein. Nicht in Gedanken schon woanders, auf morgen vertrösten, sondern meine Aufmerksamkeit völlig auf diesen einen Menschen zu richten. Ist es nicht immer auch Gott, der mir hier und heute in ihm oder ihr begegnet?
„Eigentlich ist meine Hauptaufgabe hier: Zuhören. Und es gibt so viele Menschen, die möchten einfach nur, dass ihnen mal jemand zuhört.“ So antwortete (wahrscheinlich stellvertretend für viele) eine Ehrenamtliche. Nicht sofort loslaufen und einen Therapieplatz oder ein Wohnheim suchen. Nur da sein, zuhören und aushalten. Zeit schenken. Wir hören so viel am Tag – und zugleich fühlen wir uns oft nicht gehört. So ging es Gott auch: Er hatte mit aller Kraft sich für die Rettung seines Volkes aus Ägypten eingesetzt. Alles ermöglicht. Und bei der nächsten Herausforderung war das Vertrauen in ihn schon wieder vergessen. Zu groß waren die Zweifel, Sorgen und Ängste. „Hört doch meine Stimme. Haltet euch vor Augen, was ich jeden Tag für euch tue. Nehmt euch Zeit für mich. Lasst euch nicht bange machen!“ So wirbt Gott um das Ohr seines Volkes – und um unser Ohr.
Aber es bleibt nicht beim Ohr. Weiche, warme Herzen, wünscht er sich. Herzlichkeit. Ein Herz, das sich berühren lässt. Für die Beziehungen in der Bahnhofsmission ist das essentiell, aber auch im Privaten und für die Beziehung mit Gott.


PD Dr. Christine Siegl
Augustana-Hochschule, Neuendettelsau
