15. MÄRZ 2026

4. Sonntag der Passionszeit Laetare ("Freue dich")

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele (Matthäus 20,28)

 

Für die Gedanken zum Tag bekommt man ein kurzes Bibelzitat als Ausgangspunkt, das dem jeweiligen Tag zugeordnet ist (hier „Laetare“= Latein: sich freuen). Zuerst huscht mir der Gedanke durch den Kopf: sich freuen? Weil Jesus diesen bitteren Weg gehen musste, sein Leben am Kreuz als letzten Dienst für die Menschen zu geben? Erstmal nicht so leicht.

 

Ich gucke dann oft gern, in welchen Kontext der Satz eingebettet ist, über den ich mir Gedanken mache. Jesus leitet ihn mit folgender Ansprache an seine Jünger ein: (M 20,25f): "Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein soll, der sei euer Diener; und wer unter euch der erste sein will, der sei euer Knecht.".

 

Das ist wirklich für mich ein Grund zu Freude. Aktuell sehen wir in der Weltpolitik einige Männer, die „der Erste“ (englisch: first) sein wollen und dabei über Menschlichkeit, das Leben, die Körper, die Würde von anderen Menschen hinweg gehen. Dabei hat Jesus mit seinem Leben „als Lösegeld“ allen gezeigt, dass der Weg genau in die andere Richtung geht. Die Menschen, die sich in den Bahnhofsmissionen engagieren, haben das verstanden. Sie machen das einfach und setzen um, was hier gemeint ist. Sogar meist mit großer Freude!  Sie dienen denen, die sich als „das Letzte“ in unserer Gesellschaft fühlen oder so gesehen werden.

 

Gemeinsames Engagement und gegenseitige Unterstützung auch im Widerstand zu denen, die anderen Unrecht tun, sind eine große Freude und unsere Chance, der Welt in Umbruchszeiten einen anderen Drill zu geben. Es sind Zeiten, die viel Grauen sichtbar machen. Damit wächst in den Menschen Verzweiflung und die Gefahr besteht, sich „niederhalten“ zu lassen und damit die Gewalt, die von Mächtigen den Völkern angetan wird, scheinbar ohnmächtig, geschehen zu lassen. Gleichzeitig entsteht gerade durch das Bewusst-Werden von Unrecht eine starke Power und Gegenbewegung. In das Schwarz der Passionszeit mischt sich das hoffnungsvolle Rosa in der katholischen Liturgie am Laetare-Sonntag. Das macht Hoffnung.  Aus Jesus Opfer, hat sich letztendlich eine starke weltweite mächtige Bewegung, das Christentum, ergeben. Wir können uns freuen, denn wir sind nicht allein. Er ist mit uns und wir sind miteinander. Freude, Nächstenliebe und Solidarität heute sind stark und mächtig.

Hierzu ein paar Zeitgenossen:

  • Bad Bunny, Latin, Rap und Reggaeton Künstler, in der Halbzeit des Superbowl, voller Freude:„The only thing more powerfull than hate is love“
  • Giusi Nicolini, Bürgermeisterin von Lampedusa: „Man muss Menschen schützen, nicht Grenzen“  
  • Bikkhu Pannakara, buddhistischer Mönch, der mit seinen Brüdern 3600 km von Texas nach Washington wanderte: „Wir wollen das Bewusstsein für Frieden schärfen, in der Hoffnung, dass alle in Einheit und Harmonie leben werden.“
  • Narges Mohammadi, Menschenrechtsaktivistin im Iran: „Ja mehr sie mich bestrafen, je mehr sie mir wegnehmen, desto mehr werde ich kämpfen, bis wir Demokratie und Freiheit erreicht haben“
  • Chimamanda Ngozi Adichie,Schriftstellerin: „Die Wahrheit ist, dass das Universale nicht irgendeiner Gruppe gehört.“
  • Louisa Neubauer, Fridays for Future: „Hoffnung kommt in dem Augenblick, in dem wir loslegen“

 

Freut euch und legt weiter los, liebe Freund*innen der Bahnhofsmission!

Barbara Kempnich

Fortbildnerin in den zentralen Kursen

für Mitarbeitende der Bahnhofsmissionen