Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben (Johannes 3,14b.15)
Der Wochenspruch fügt sich eng zusammen mit einem ganz ähnlichen Bibelvers aus dem Markusevangelium (10,45), der vor zwei Wochen Grundlage der „Gedanken zum Tag“ war: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene.“
Beides gehört zusammen: Jesu Erhöhung geschieht nicht durch Macht oder Gewalt, sondern durch Hingabe. Am Kreuz zeigt sich eine Liebe, die sich selbst schenkt – für alle.
Jesu „Erhöhung“ weist somit voraus auf Karfreitag – und öffnet zugleich den Blick auf Ostern. Was wie Niederlage aussieht, wird zum Ort der Hoffnung: Gott lässt das Leid nicht das letzte Wort behalten und das Kreuz wird zum Zeichen dafür, dass selbst in tiefster Not Leben möglich ist.
Diese dienende Liebe wird heute konkret, wo Menschen einander beistehen. In den Bahnhofsmissionen geschieht genau das: Menschen werden gesehen, begleitet, aufgefangen – oft mitten im Trubel und in der Eile. Wer dort hilft, folgt dieser dienenden Liebe, die sich den Schwachen zuwendet.
Glaube an ihn heißt deshalb nicht nur hoffen auf ewiges Leben, sondern auch: jetzt schon leben aus dieser Liebe. Wo wir dienen, wird etwas sichtbar von dem Leben, das kein Ende hat.
Dies berührt gerade in unserer Gegenwart: Viele Menschen leben in Armut, kämpfen mit Unsicherheit, steigenden Preisen und gesellschaftlicher Spaltung. Die politische Lage verunsichert, Konflikte und Kriege nehmen zu, und nicht wenige fühlen sich übersehen oder zurückgelassen.
Gerade hier wird die Botschaft Jesu konkret. In den Bahnhofsmissionen begegnen Helfende täglich Menschen, die wenig haben – an Geld, an Halt, an Perspektive. Sie hören zu, geben Orientierung, schenken Zeit und Würde. Das ist gelebte Osterhoffnung mitten im Alltag.
An Christus glauben heißt dann auch gerade jetzt: darauf vertrauen, dass Gott Leben schafft, wo wir nur Grenzen sehen. Und es heißt gerade jetzt, selbst Teil dieser Hoffnung zu werden. Wo wir einander beistehen, wird sichtbar, dass das Leben stärker ist als Angst und Not – heute schon und über dieses Leben hinaus.

Axel Mangat
Geschäftsführer Stadtmission Hamburg
