12. APRIL 2026

„Quasimodogeniti“ heißt der erste Sonntag nach Ostern.

Wie die neu geborenen Kindlein. (1. Petrusbrief 2,2)

 

„Wie die Neugeborenen nach Milch verlangen“, nach einer für sie wichtigen Lebensgrundlage, die sie auch lautstark zum Ausdruck bringen können, so sollen auch wir schauen, was wichtig für uns ist.

 

Neulich auf der Insel

Aus dem Dachfenster sehe ich ganz hinten einen Streifen Meer und unter mir einen der Hauptwege der Insel. Menschen sind zu Fuß unterwegs, Insulaner meist mit dem Fahrrad. Koffer und andere Dinge werden mit „Wippen“ oder Pferdekutschen transportiert.

 

Von diesem Fenster aus lässt sich gut diesem ruhigen Trubel zuschauen. Immer wieder sehe ich, wie eines der zwei-/dreijährigen Kinder aus dem Nachbarhaus stürmt, sich eins der kleinen Laufräder schnappt und mit kurzem Blick oder Zuruf der begleitenden Person mitteilt: „Ich geh schon mal los!“. Schnell und geschickt geht das und mit glücklicher Ausstrahlung. Die ist so ansteckend, dass ich stundenlang zugucken könnte, selbstzufrieden und irgendwie glücklich.

 

Zweimal im vergangenen Halbjahr waren wir auf Baltrum, der kleinsten ostfriesischen Insel. Im November war nicht mehr viel los, im März noch nicht viel. Beide Male blieb der Fernseher abends nach der Tagesschau auch mal ungeplant länger an.

Im November kam, kurz vor der Weltklimakonferenz in Brasilien, der Spielfilm „Verschollen“ und dazu im Anschluss die Dokumentation „Verschollen - Schmutzige Geschäfte mit dem Klimaschutz“ im Zusammenhang mit sogenanntem „grünen Stahl“.

 

Urwälder helfen bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, binden nachweislich große Mengen CO² und leisten damit einen großen Beitrag zum Klimaschutz.

 

In Brasilien werden riesige Urwaldgebiete gerodet, um dort schnell wachsende Eukalyptusbäume anzupflanzen, angeblich ein Projekt, um die globale Erderwärmung aufzuhalten. Für diese Aufforstung von Wäldern gibt es CO²-Zertifikate, die begehrt sind bei Konzernen, die zum Ausgleich für ihre schädlichen Emissionen nachweisen müssen, dass an anderer Stelle CO² gebunden wird.

 

Ein Vorher/nachher Vergleich der CO²-Speicherkapazität dieses Aufforstungsprogramm steht noch aus. Dennoch wird es mit Mitteln der Weltbank gefördert. Ungeklärt ist, ob es sich bei dem neuen Programm der Weltbank um ein globales Greenwashing im Milliardenbereich handeln könnte. Leidtragend sind alle, die bislang dort zuhause sind:

Menschen, Tiere und Pflanzen

Im Frühjahr sahen wir eine Dokumentation, dank neuer Filmmöglichkeiten „So nah wie nie: Orang-Utans“. Sie zeigt deren Lebensweise, wie liebevoll sie miteinander umgehen, aneinanderhängen und miteinander schmusen, aber auch, wie ihre Lebenswelt bedroht ist.

 

Orang-Utans sind die den Menschen ähnlichsten Tiere. Auf Borneo sind sie in ihrer Existenz bedroht, weil Urwälder gerodet und stattdessen riesige Monokulturen zur Gewinnung von Palmöl angelegt werden - mit allen negativen Folgen für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt und durch erhöhten CO² -Ausstoß.

 

Solche Informationen machen zornig. Gut, wenn wir dann erinnert werden, unsere Lebensgrundlagen zu erkennen, zu benennen und nicht hilflos zu erstarren.

 

Ein kleiner aktiver Schritt kann sein, im eigenen Konsum aufmerksam zu sein auf den Hinweis „ohne Palmfett“. Palmfett ist in unerwartet vielen Produkten enthalten. Darauf zu achten, wird die Welt nicht retten, aber zumindest Bewusstsein schaffen für den globalen Zusammenhang und die Vernetzung über Grenzen hinweg.

 

Und um bei all dem nicht die Hoffnung zu verlieren, lohnt es sich, immer mal wieder aus dem Fenster zu schauen, die kleinen Laufrad-Aktiven auf der autofreien Insel zu beobachten bzw. sich daran oder an andere schöne Dinge des Lebens zu erinnern, die einen wie die Kinder bei Laune halten und Energie geben!

 

In diesem Sinne wünsche ich einen trotz allem zuversichtlichen Blick in die kommende Woche, in der am Samstag in einigen Bahnhofsmissionen Aktionen zum Tag der Bahnhofsmission mit dem Motto „Menschlichkeit gibt Halt“ stattfinden werden.

Barbara Ziegler

Fortbildnerin