"Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet" (Psalm 66,20)
Der Mai ist mein Lieblingsmonat. Ein Frühlingssommermonat. Ein Aufbruchsmonat. Ein Monat mit vielen Festen und Feiertagen: Maitag, Europatag, Muttertag, Himmelfahrt und Pfingsten. Zeit der Begegnungen, Besuche, Gespräche. Aber dazwischen auch immer: Zeit der Hektik, Zeit der Eile, weil der Mai so schnell durchzurasen scheint.
Zwischen den Familienbesuchen, Urlaubswochenenden und den gedrängten dienstlichen Terminen steht dann oft der Bahnhof. Im Mai ein Ort der Flüchtigkeit. Kommunikation im Vorbeigehen: Ein hastiges Nicken, eine knappe Nachricht im Gehen, der Blick auf das Display fixiert, um bloß keine Zeit zu verlieren. Wer hier stehen bleibt, stört den Fluss. Wer zu langsam ist, wird überholt.
Und genau in diese gehetzten Momente und Flüchtigkeit spricht der Wochenspruch hinein wie ein Machtwort, das die Zeit anhält: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“
Gott ist nicht auf der Durchreise. Er ist kein Pendler, der nur kurz zunickt und dann zum nächsten Termin hetzt. Er schenkt uns Verbindlichkeit und Vertrauen. Seine Güte ist keine flüchtige Begegnung am Bahnsteig, sondern ein festes Versprechen. Sie wendet sich nicht ab. Er hält den Blick auf uns, auch wenn es bei uns gerade unübersichtlich oder „verspätet“ zugeht. Und das Vertrauen darauf bereitet uns auf das Ankommen vor. Immer wieder. Auch das macht den Mai aus.

Mirko Schwärzel
Bundesgeschäftsstelle Bahnhofsmission
