"Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. " (Epheserbrief 2,8)
Ich gebe zu, beim ersten Lesen führte diese Wochenlosung zu ziemlichen Irritationen bei mir. Auch der gesamte Text fühlte sich für mich ausschließend und exklusiv machend an, als ob der christliche Glaube etwas Besseres wäre. Doch die Gnade Gottes ist nicht exklusiv, mein Glaube ist nicht ausschließend und schon gar nicht etwas „Besseres“.
Also habe ich versucht, das Ganze ein bisschen historisch einzuordnen. Paulus hat diesen Brief an eine junge Gemeinde in ihrer Findungsphase geschrieben, der auch an andere Gemeinden weitergereicht wurde. Es geht sowohl um theologische Fragen wie auch um Regeln zum Zusammenleben der Menschen, die nun – im Glauben an Jesus Christus – eine neue Gemeinschaft bilden, obwohl sie vorher im Glauben voneinander getrennt waren. Im Kontext dieser Findungsphase und den gesellschaftlichen Entwicklungen und Konflikten brauchte es Leitgedanken, die sich von ihrem vorherigen Leben abhoben. Zur Sinnstiftung und zur Stärkung der Gemeinschaft.
Auch in Bahnhofsmissionen kommen Menschen mit den verschiedensten Hintergründen zusammen und bilden immer wieder eine neue, bahnhofsmissionarische Gemeinschaft. Auch in dieser Gemeinschaft der gelebten Ökumene und darüber hinaus, braucht es einen gemeinsamen Leitgedanken, so, wie ihn die Gemeinde in Ephesus damals brauchte. Auch wir können heute erfahren, dass sowas wie Leitbild und Leistungsstandards uns in den gesellschaftlichen Entwicklungen und Konflikten um uns herum, als Gemeinschaft stärken und sinnstiftend sind.
Eine Gemeinschaft, in der alle willkommen sind, da uns eine gemeinsame Haltung vereint, so wie der Glaube auch die Epheser Gemeinde vereint hat.

Marieke Grupe
Leitung der Bahnhofsmission Bremen
