"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen." (Epheserbrief 2,19)
Vor einigen Tagen kam ein wohnungsloser Mann zur Tür herein. Er lächelte und sagte ganz selbstverständlich: „Endlich zuhause.“ Dann schaute er mich an, schmunzelte verlegen und fügte hinzu: „Irgendwie ist es das schon. Vielleicht eins von mehreren.“
Dieser Satz ist mir nachgegangen.
Ein Bahnhof ist eigentlich kein Ort zum Bleiben. Menschen sind unterwegs, warten, kommen an oder fahren weiter. Und doch kann mitten in dieser Rastlosigkeit ein Ort entstehen, an dem man aufatmen darf. Ein Ort, an dem niemand erklären muss, warum er da ist.
In der Bahnhofsmission sprechen wir von unseren Gästen. Das ist für uns ein Wort der Wertschätzung. Der Epheserbrief geht noch einen Schritt weiter. Er spricht davon, dass wir bei Gott nicht nur Gäste sind. Wir gehören zu seinem Haus. Wir sind keine Fremden, die nur geduldet werden, sondern Menschen, die willkommen sind – bedingungslos.
Vielleicht liegt genau darin auch unser Auftrag als Bahnhofsmission. Wir können niemandem ein Zuhause schenken. Aber wir können ein Ort sein, an dem Menschen etwas von dieser göttlichen Gastfreundschaft erfahren: einen Ruheort für Rastlose, einen Platz zum Durchatmen, einen Ort, an dem niemand erst beweisen muss, dass er dazugehören darf.
Und vielleicht wird dann aus dem Wort Gast für einen Augenblick etwas Größeres: das Gefühl, dazuzugehören. So wie der Mann, der sagte: „Endlich zuhause.“

Sarah Gugel
Einrichtungsleitung Evangelische Stadtmission Freiburg
