KINDERLOUNGE

Wenn das Warten auf den Zug Spaß macht

Kinderlounges bieten sicheren Ort in hektischer Bahnhofswelt

 

Dort, wo ein ICE in einem Astloch verschwinden kann, macht sogar das Warten auf den Zug Spaß: „In unseren Kinderlounges wünschen sich die Mädchen und Jungen öfter, dass die Bahn Verspätung haben möge, damit sie weiterspielen können“, schmunzelt Markus Siebert, Leiter der Bahnhofsmission in Essen. Hier gibt es eine der fünf Kinderlounges der Bahnhofsmission, die einen sicheren Ort in der schnellen und hektischen Welt des Bahnhofs bieten, um Wartezeiten zu überbrücken.

Siebert sitzt inmitten von jeder Menge Spielzeug, umgeben von fantasievoll gestalteten Wänden, an denen Frösche, Hummeln und auch ein ICE spannende Abenteuer erleben – ein kindgerechter Ort, der nicht nur die jungen Gäste, sondern auch deren Eltern begeistert. Denn in einer Zeit, geprägt von veränderten Familienmodellen und großem Bedarf an beruflicher Mobilität, sind immer mehr Menschen auf Angebote angewiesen, die dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen.

Familienfreundliche Angebote immer wichtiger

„150.000 Kinder wurden allein im Jahr 2012 in den über 100 Bahnhofsmissionen in Deutschland betreut“, beschreibt Ute Volz, Vorsitzende der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission (KKBM), das Engagement der zumeist ehrenamtlich Mitarbeitenden für Kinder und Familien. Die Kinderlounges sind damit ein wichtiger neuer Baustein der vielen familienfreundlichen Angebote der Bahnhofsmission. Seit 2011 haben bereits vier Kinderlounges in Nürnberg, Köln, Essen und Frankfurt ihre Türen geöffnet, eine weitere entsteht in der Düsseldorfer Bahnhofsmission.

In den Kinderlounges werden Jungen und Mädchen bis 14 Jahre durch pädagogisch geschulte Mitarbeitende betreut. Ausgestattet sind die Räumlichkeiten beispielsweise mit Kletter- und Rutschlandschaften, Bauwerken aus Schaumstoffteilen, Gesellschaftsspielen, Büchern und Videokonsolen. Zudem stehen ein Wickeltisch und Toiletten für die Besucher zur Verfügung.

„Die Kinderlounge ist eine klasse Sache, besonders auch in Kombination mit unserem Angebot Kids on Tour“, erzählt Siebert. Seit 2003 gibt es den Kinderbegleitservice im Zug, für den die Bahnhofsmission eng mit der Deutschen Bahn kooperiert. In den ersten zehn Jahren haben bereits 50.000 Kinder das Angebot Kids on Tour genutzt. „Dank der Kinderlounges ist es jetzt viel einfacher geworden, dass Eltern sich schon in der Bahnhofsmission von ihren Kindern verabschieden, bevor diese in Begleitung von Ehrenamtlichen in den Zug steigen“, erklärt der 38-Jährige. Auch die Kinderlounges werden von der Deutschen Bahn unterstützt. Eine Spende von insgesamt rund 575.000 Euro, wovon 375.000 Euro aus einem Geldfund stammen, fließt in die Einrichtung und den Betrieb der Kinderlounges.

In die Kinderlounges kommen hauptsächlich Kinder, die allein oder mit einem Elternteil reisen, sowie Eltern mit mehreren Kindern, um Wartezeiten zu überbrücken. Aber auch in schwierigen Situationen bietet die Einrichtung einen geschützten Raum. „Das Jugendamt hat die Kinderlounges schon genutzt, wenn es darum ging, Besuchsrechte für geschiedene Eltern zu ermöglichen“, sagt Siebert. „Auch ein Jugendlicher, der von seinen Klassenkameraden verprügelt worden war, hat in der Kinderlounge Zuflucht gesucht. Wir haben ihn dann nach Hause begleitet.“

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