17. APRIL 2019

Ostergruß

von Klaus-Dieter Kottnik
Bundesvorsitzender der Evangelischen Bahnhofsmission

Liebe Leserin, lieber Leser,


unser Zeichen besteht aus einem violetten Kreuz und einem gelben Querstreifen zwischen den beiden Halbwörtern Bahnhofs – Mission. Seit 1910, also schon 16 Jahre nach der Gründung der ersten evangelischen Bahnhofsmission (violettes Kreuz) und 15 Jahre nach der Entstehung der ersten katholischen Bahnhofsmission (gelber Streifen der Auferstehung) wurde die ökumenische Zusammenarbeit begründet. Sie besteht bis heute und hält unsere Arbeit fest zusammen. Mehr...


Wie jede kirchliche soziale Arbeit, die im 19. Jahrhundert begonnen hat, war auch die Bahnhofsmission eine soziale Bewegung, die aus dem Bürgertum erwuchs. Es waren vor allem bürgerliche Frauen, die sich den sozialen Aufgaben an den Bahnhöfen stellten. Heute finden sich unter den ehrenamtlichen Frauen an den Bahnhöfen auch Unternehmerinnen, Apothekerinnen, aber auch solche Frauen, die ihr Leben ihren Familien gewidmet haben. Manchmal sind es  Frauen und Männer, die auf eine lange Berufszeit zurückschauen können oder Menschen, die einfach für andere da sein wollen. Ehrenamtliches Engagement, begleitet von professionellen Einsatzleitungen, hat bei der Bahnhofsmission eine lange Tradition.


In der DDR mussten alle Bahnhofsmissionen - bis auf eine Ausnahme am Ostbahnhof Berlin  - schließen, aber schon kurz nach der politischen Wende von 1989 sind in Ostdeutschland wieder erste Bahnhofsmissionen gegründet worden. Ganz neu entsteht in diesem Jahr eine Station am Hauptbahnhof in Dresden. Dabei werden auch neue Wege der Teambildung an den Bahnhöfen mit Erfolg erprobt. Menschen, die Lebenserfahrungen als Langzeitarbeitslose sammeln mussten, haben bei einigen Stationen neue Aufgaben und damit auch Lebensinhalte gefunden. Oft bleiben sie ihrem Engagement noch verbunden, selbst wenn sie eine bezahlte Vollzeitbeschäftigung finden konnten. Meistens haben sie ein besonderes Verständnis für die Menschen, die aufgrund ihrer verletzten Lebensgeschichten bei den Bahnhofsmissionen als Gäste ein Stückchen zu Hause finden.


Bahnhofsmissionen schaffen Begegnung. Sie geschieht dort, wo man sich miteinander verständigt und wo aus der Verständigung Verstehen erwächst. Das erleben die hilfesuchenden Gäste. Das ist aber auch innerhalb der Teams erfahrbar. Weil diese Begegnungen oft auf so erfüllende Weise geschehen, bleiben viele Teams stabil und manche Mitarbeitende viele Jahre dabei. Sie sind zu Profis der Begegnung geworden. 

 

Mit „Begegnung stiften. Bahnhofsmission.“ ist für den diesjährigen Tag der Bahnhofsmission am 27. April also ein treffendes Motto gefunden worden. Ich bin gespannt, was alles an diesem Tage realisiert wird. Phantasievolle Aktionen wurden mir schon bei einigen Besuchen angekündigt.


Begegnung begleitet die christliche Kirche von Anbeginn. Ostern feiern wir die Auferstehung als Begegnung mit Jesus Christus. Weil Christus auferstanden ist, sind Christen, die daran glauben, Profis für Begegnung. In jeder menschlichen Begegnung, in der etwas von Hinwendung und Verständigung spürbar wird, ereignet sich ein Stück der österlichen Begegnung mit Christus. Deshalb sind wir mit unserem Wirken in den Bahnhofsmissionen ganz bei der Sache Jesu Christi.


Daher wünsche ich allen, die in der Bahnhofsmission arbeiten oder sie unterstützen sowie denen, die sich - mit welchem Anliegen auch immer – an die Mitarbeitenden der Bahnhofsmissionen wenden, für das eigene Leben wertvolle Begegnungen. Wo das erlebt wird, erfahren wir Ostern. Halleluja.


Herzlich
Ihr Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik