30. AUGUST 2026

Gedanken zum 13. Sonntag nach Trinitatis

Christus spricht: "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." Matthäus 25,40b

 

Dieser Bibelvers wird wohl am häufigsten herangezogen, um diakonisches Handeln biblisch zu begründen. Dabei ist dies Jesuswort durchaus nicht selbstverständlich wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Denn: Wer ist der Geringste?
 

Historisch-kritische Hermeneutik mag sich auf Gesellschaftsschichten zu Jesu Lebzeiten berufen und auf die am wenigsten Angesehenen, mit denen Jesus sich demonstrativ gern umgab.
 

Die Tat am Geringsten reiht sich ein in andere Jesusworte, die mit dem Superlativ oder dem Gegensatz von Groß und Klein formulieren:
 

Mt 20 / 16 „Dann werden die Letzten die Ersten sein“ oder das Gleichnis vom Opfer der armen Witwe in Lk 21, deren kleine Münzen im Opferkasten mehr wiegen als die großen Summen der Reichen.
 

Der jeweils zugrundeliegende Gedanke rührt an die Verheißung der Aufhebung irdischer Ordnungen; eine universale Vorstellung aller mystisch inspirierten Verheißung und Offenbarung, die sich in der Formel „Oben gleich Unten“ fassen lässt.
 

Aus dem jüdischen Denken heraus ist der Vers von der Tat am Geringsten in der Mizwa der Zedaka begründet, in der Erfüllung des Gebotes der Wohltätigkeit. Jesus unterstreicht mit seinem Wort die Allgültigkeit des Gebots, das sich nicht nur auf die gefällige Wohltat erstreckt, mit der man sich selbst schmeicheln kann. Die Liebe zum Nächsten beweist sich dort, wo die Grenzen der Bequemlichkeit überschritten werden. Die Wurzel des Begriffs ist hebräisch Zedek — die Gerechtigkeit. Es handelt sich nicht um fakultative Almosen, sondern um Herstellung von Gerechtigkeit.  Mit der wohltätigen Handlung wird so ein Beitrag geleistet zur allesumfassenden Wiederherstellung des Heils Gottes in Welt.

 

 

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Leif Murawski

Mitarbeiter der Bahnhofsmission Frankfurt